Berlin - Helmut Kohl geht es, so weit man hört, gesundheitlich nicht gut. Er lässt dennoch mit aller Kraft und vor Gericht dafür kämpfen, dass die Deutungshoheit über sein Leben so weit wie möglich unter seiner Kontrolle beziehungsweise der seiner Frau bleibt. Dazu gehört auch jene geheimnisumwobene Darstellung, dass er in den 1990er Jahren Millionenbeträge von einer Handvoll großzügiger Spender bekommen habe, um die Parteiarbeit und die Wahlkämpfe der CDU vor allem im Osten wirkungsvoller betreiben zu können.

Wer diese Spender waren, wollte er unter Hinweis auf sein Ehrenwort nie verraten. Bis heute pflegt er diese Legende, die nun aber der schon lange vom Freund zum tief enttäuschten Widersacher gewordene Wolfgang Schäuble ernsthaft in Frage stellt. Schäuble spricht von schwarzen Konten, dem Flick-Konzern und einer Zeit, „wo andere Finanzierungsgebräuche waren“, eine wunderbar harmlose Umschreibung von Korruption und Bestechung in der Bonner Republik.

Gewiss, das ist alles lange her, und weil damals diese Gebräuche aufgeflogen sind, gibt es sie in dieser Form glücklicherweise wohl nicht mehr. Dennoch bleibt die Frage interessant: Wen eigentlich will Helmut Kohl mit seinem Schweigen wirklich schützen? Es ist spät, aber noch nicht zu spät für den einstigen Bundeskanzler, die Frage zu beantworten. Das Land und seine Geschichtsschreibung, oder besser gesagt: wir alle haben einen Anspruch darauf.