Kommentar zur AfD: Weckruf an eine Leiche

Die AfD ist tot. Mit dem Aufruf an die Mitglieder, sich seinem neugegründeten Verein „Weckruf 2015“ anzuschließen und damit – so ist es gemeint – die Gründung einer neuen Partei vorzubereiten, hat AfD-Chef Bernd Lucke der Partei zwar den Totenschein ausgestellt. Aber für das Ableben der AfD trägt nicht er die Verantwortung, sondern jene sich seit Monaten rapide verstärkende Strömung in der Mitgliedschaft, die sich öffentlich als konservativ bezeichnet.

Konservativ ist hier nicht als Begriff mit spezifischer Bedeutung zu verstehen, sondern als semantischer Sack, als Melange diffuser Bewusstseinslagen, die von Islamophobie und Homophobie  über Nationalismus bis hin zum Antikapitalismus ragen. Die so genannte Euro-Skepsis, die für Lucke und andere das entscheidende Gründungsmotiv war, spielt für diese Richtung keine Rolle. Und damit geht einher, dass sich auch die Rolle Bernd Luckes in der Partei seit Längerem marginalisierte.

Das Ableben der AfD ist mehr als der erneut gescheiterte Versuch, in Deutschland eine neue Partei zu gründen. Es ist der Beweis, dass es für den organisierten Konservatismus innerhalb des Spektrums demokratischer Parteien kein Biotop mehr gibt. Lucke schreibt in seiner E-Mail, in der er die Gründung des „Weckruf 2015“ begründet, er sehe mit Sorge, dass sich die AfD „in eine radikale, sektiererische Partei von Wutbürgern“ verwandele. Das ist längst geschehen. Luckes Vereinsgründung kommt zu spät. Kein Weckruf wird der Alternative für Deutschland wieder Leben einhauchen.