Es ist also wieder mal so weit: Die CSU hat das Stück des Königsmords wieder auf den Spielplan gesetzt. Sie spielt es mit schöner Regelmäßigkeit, immer verbunden mit großem Katzenjammer hinterher. Denn die Aufführung erntet zwar viel Aufmerksamkeit, aber eben schlechte Kritiken.

Männer namens Waigel, Streibl, Stoiber hat man in den bisherigen Folgen über den Bühnenrand gekippt. In seiner aktuellen Fassung heißt das Stück „Seehofer muss weg“, der CSU-Nachwuchs Junge Union hat nun den Programmzettel auch schriftlich vorgelegt.

Erst noch gelobt, ist Seehofer jetzt auf der Abschussliste

Gerade hatte man Seehofer in der CSU noch in den Himmel gelobt, weil er die Partei aus der Schmach einer vorübergehenden Koalition mit der FDP wieder in die bayerische Alleinherrschaft führte. Nun ist aus „König Horst“ der Rentner aus der ersten Bank geworden, dem man das Seniorendomizil nahelegt. So schnell kann es gehen bei der CSU. Sie ist die Partei, die sich durch zweierlei auszeichnet: Eine besondere Fähigkeit zum Drama und zur maximalen Selbstbeschädigung.

Angesichts der Tatsache, dass es sich um eine erfolgreiche Partei handelt, die seit nunmehr 60 Jahren in Bayern den Ministerpräsidenten stellt und also allen Grund zur Zufriedenheit hätte, liegt es nahe, Schizophrenie zu diagnostizieren oder zumindest Gruppenkoller. Den Absolutheitsanspruch jedenfalls erfüllt die CSU mit großer Konsequenz: Sie hat die Oppositionsarbeit gleich mit übernommen. Im Bund wird die CSU in dieser Verfassung zum größten Destabilierungsrisiko einer möglichen künftigen Regierung.

Es ist nicht so, dass die CSU nicht über Fehler reden müsste, sie hat sie nun wirklich zu Hauf gemacht. Das Wahlergebnis bei der Bundestagswahl kommt nicht von ungefähr, diese knapp 39 Prozent, nach denen sich andere Parteien alle zehn Finger abschlecken würden, das für die CSU aber in Bayern die absolute Mehrheit gefährdet und damit nahe am Weltuntergang liegt. Aber das passiert nicht. Aber es wird nicht, oder nur vordergründig, über Fehler geredet oder über die künftige inhaltliche Aufstellung. 

Der Kampf um den Chefposten

Was derzeit zu betrachten ist, ist einzig und alleine eins: ein Kampf um den Chefposten. Bleibt Seehofer? Kommt Markus Söder? Jetzt, gleich oder später? Darum wird gerungen. Es geht um Karrieren, nicht um Inhalte. Und um den Zustand der Partei kann sich auch nicht ernsthaft sorgen, wer den eigenen Verhandlungsführer bei den Sondierungen für eine Jamaika-Koalition derart anzählt. Und auch ein potenzieller Seehofer-Nachfolger bekäme Schwierigkeiten bei der Landtagswahl, wenn die CSU eher schwach aus den Verhandlungen herauskommt.

Allein ein Personalwechsel ist allerdings sowieso nichts, was die CSU voranbringen würde. Die Glaubwürdigkeit der CSU habe gelitten, analysieren alle Seiten in der Partei zu recht. Und da wäre dann ein Spitzenkandidat Söder die Lösung? Der hat vor allem glaubwürdig spitze Ellbogen und er bewegt sich ein wenig zu behände in den alten Machtstrukturen, um als Aufbruch wahrgenommen werden zu können. Allerdings könnte der Aufbruch in der CSU irgendwann auch in einem Aufseufzen bestehen - wenn alle froh sind, dass der Machtkampf beendet ist, mit welchem Ergebnis auch immer. 

Der Hauptfehler der CSU ist, eine Partei der Egomanen zu sein. Das hat seine unterhaltsamen Seiten. Und die Überidentifikation mit Lederhosen, Postkartenlandschaft und Maßkrügen ist nicht nur eine gute Werbestrategie, sondern bekommt zuweilen auch etwas Rührendes. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Stolz, Zufriedenheit und Begeisterung und hemmungslosem Eigenlob in bester Trump’scher Manier. Wer sich selbst als Superlativ anpreist, mag zwar für den Moment einen Werbeeffekt haben - in der Übertreibung aber legt er auch die Grundlagen für den eigenen Absturz.