Kommentar zur Kinderarmut: Der Staat muss endlich für Chancengleicheit sorgen

Berlin - Rund zwei Millionen Kinder gelten als arm, weil sie von Hartz IV leben müssen. Wie kann das sein?  Unserer Wirtschaft geht es gut, sogar so gut, dass die öffentlichen Kassen im ersten Halbjahr 2016 einen Überschuss von 18,5 Milliarden Euro erzielt haben. Das Vermögen privater Haushalte wächst, die Einkommen steigen. Deutschland wird immer reicher, doch die Schere zwischen arm und reich wird gleichzeitig immer größer.

Der Reichtum kommt nicht bei denen an, die es bitter nötig hätten. Das  Gegenteil ist der Fall: Die Kinderarmut stieg 2015 bundesweit weiter an.

Das Problem fängt schon beim Wort Kinderarmut an. Denn Kinderarmut ist Familienarmut. Und die ist oft vererbt. Aus diesem Teufelskreis  auszubrechen, ist schwer. Wenn eine Alleinerziehende rund 1260 Euro an staatlichen Leistungen im Monat zur Verfügung hat,  dann fehlt es nicht nur an Geld für die kaputte Waschmaschine, sondern auch an Geld für außerschulische Bildung, für Sport, für Bücher, für den Kindergeburtstag, zu dem das Kind keine Freunde einladen kann. Soziale Isolation und fehlende Bildungschancen sind nur zwei Folgen.

Statt dass der Staat die Institution Ehe fördert, sollt er den Fokus viel stärker auf die Bedürfnisse der Kinder richten. Schon im Kindergarten muss die Teilhabe auch für schwächere Kinder gefördert werden.  Außerdem sollte das Kindergeld nicht mehr mit Sozialleistungen verrechnet werden. Chancengleichheit muss endlich unabhängig werden.