Berlin - Nun ist sie also da, Sahra Wagenknechts linke Sammlungsbewegung. Das heißt, noch nicht ganz. Eher lugt ein Teil von ihr hervor wie der große Zeh unter einer zu kurzen Bettdecke.

Allerdings ist nicht allein die Sammlungsbewegung da, auch ihre Kritiker sind es. Die sind vorerst zahlreicher, und zwar bei Linken, SPD und Grünen. Zufall ist das nicht.

Zwar spricht in der Tat manches dafür, dass alle drei Parteien ihre Kräfte bündeln. Freilich droht Wagenknechts Projekt schon jetzt an seinen eigenen Widersprüchen zu zerbrechen.

Sammlungsbewegung oder Querfront?

Denn wenn sie es, und so schien es anfangs, als links-nationales Projekt anlegt, dann kriegt die charismatische Linksfraktionschefin gerade die Linken aus der SPD und den Grünen nicht, sondern zieht die AfD-nahe Klientel an. Dann wäre es auch keine linke Sammlungsbewegung, sondern eine Querfront.

Für ein auf Konsens mit SPD und Grünen angelegtes Projekt braucht man wiederum keine linke Sammlungsbewegung, sondern das, was es in Berlin, Brandenburg und Thüringen längst gibt: linke Regierungsbündnisse. Doch genau ein solches hat Wagenknecht im Bund gerade erst wieder ausgeschlossen. Daraus können Linke, Sozialdemokraten und Grüne nur einen Schluss ziehen: Dass die linke Sammlungsbewegung eine Konkurrenz sein soll. Und Konkurrenz hält man sich auch in der Politik vom Leib.

Eine sehr schöne Sammlungsbewegung gab es übrigens kürzlich in Berlin, als der linke Abgeordnete Stefan Liebich die grüne Vorsitzende Annalena Baerbock und Juso-Chef Kevin Kühnert zum Gespräch einlud. Die drei haben vor Publikum ihre Positionen ausgetauscht und sich prima verstanden. So etwas hilft.