Berlin - Die Sache ist eigentlich ziemlich klar. Es ist an der Zeit, dass Angela Merkel den CDU-Vorsitz abgibt und einen Fahrplan offeriert, wann sie es mit dem Kanzlerinnenamt ähnlich zu halten gedenkt. Parteichefin ist Merkel seit 18 Jahren, Regierungschefin seit 13 Jahren. Das ist genug.

Im Übrigen ist sie zwar immer noch stark, stark in ihrer Ruhe und der Fähigkeit, sich nicht kirre machen zu lassen und Angriffe durchzustehen. Sie ist aber schwach geworden in ihrem Vermögen, innenpolitische Krisen vorherzusehen. Das zeigen der Streit um den Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen und die Abwahl des Unionsfraktionsvorsitzenden Volker Kauder überdeutlich. Vor allem ist sie zu schwach, um zu führen. Abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln und erst gegen Ende Entscheidungen zu treffen, das reicht schon lange nicht mehr. Zu viel Passivität an der Spitze schadet der Demokratie.

Merkel-Nachfolge

Freilich kommt es nicht auf Merkel an, sondern auf ihre potenziellen Erben. Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat bisher noch nicht den Eindruck hinterlassen, als könne sie in Merkels Fußstapfen treten. Jens Spahn hat den Machtwillen. Aber hätte er auch das Integrationsvermögen und den Rückhalt der eigenen Leute?

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet wäre ein guter CDU-Vorsitzender. Er ist erfahren und prinzipienfest; das lässt sich nicht von allen Christdemokraten sagen. Nur steht der Aachener quer gegen jenen rechten Mainstream, der teilweise die CDU erfasst. So lange sich keine Nachfolge abzeichnet, wäre es jedenfalls riskant, wenn Merkel jetzt einfach hinwürfe. Riskant nicht zuletzt für ihre Partei.