Kann die CDU der Verlockung widerstehen, einen Kandidaten zum Vorsitzenden zu wählen, der zwar die konservative Seele der Partei streichelt, der aber in der Öffentlichkeit als Problem wahrgenommen wird? Jüngste Umfragen nähren Zweifel daran: In der Tat scheint Friedrich Merz der Favorit der Parteitagsdelegierten zu sein.

Die Wahrnehmung in der breiten Öffentlichkeit indes ist anders: Viele Menschen bezeichnen Merz als „unangenehm“ (Umfrage: 31 Prozent). Sie halten ihn für weniger glaubwürdig, weniger empathisch und sympathisch als „AKK“. Tatsächlich hat der 63-Jährige ein Glaubwürdigkeitsproblem. Denn sollte er sich eines Tages um das Kanzleramt bewerben, offenbart sich seine Achillesferse.

Was sagt Merz Mitbewerbern, die ihn fragen: Sie wollen die Politikwende? Wo waren Sie, als Finanz- und Euro-Krise Europa lähmten, als Griechenland der Kollaps drohte, als die Flüchtlinge kamen? Merz hatte sich 2009 in die (un)politische Schmollecke zurückgezogen, war abgetaucht. Es wird schwer für ihn, sich jetzt glaubhaft als Garant eines „Kurswechsels“ zu verkaufen.