Wieder nichts, was man nicht erwartet hätte? Wieder nur ein Achselzucken in Berlin, in der Bundesregierung? Nein, wenn es stimmt, was Wikileaks nahelegt, dann lässt sich das deutsch-amerikanische Verhältnis mit Wegschauen nicht mehr retten.

Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Angela Merkel, alle Regierungschefs des vereinten Deutschlands, Mitarbeiter und Vertraute von ihnen, wurden von der NSA abgehört. Jahrzehntelang und exzessiv.

Mag sein, dass die US-Spione über die deutsche Politik dabei nicht mehr erfuhren, als wenn sie gute Zeitungen gelesen hätten. Doch darum geht es nicht. Es geht um einen Angriff auf die Gesellschaftsform, welche die Amerikaner 1945 nach Deutschland brachten: die Demokratie. Seltsam, wie willig die NSA in der Zerstörung der Grundvoraussetzung der Demokratie tätig wurde und wird, in der Zerstörung von Vertrauen. Und wie klar sie alle zwischenstaatlichen Gepflogenheiten brach und bricht.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Tatsache, dass die NSA auch den für die Koordination der Geheimdienste zuständigen Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche abhörte. Da hatte man dann gleich alles im Blick. Auch Kanzleramtsminister Peter Altmaier, der schon vergangene Woche wegen der NSA-Affäre den amerikanischen Botschafter ins Kanzleramt einbestellt hatte – er wurde abgehört.

Und wenn es auch jetzt in der Regierung wieder heißt, dass man sich in der Sache über gar nichts mehr wundere, dann wünschte man sich dort doch langsam mal ein paar Leute, die sich noch wundern können. Auch darüber, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen gegen die NSA wegen Spionage gegen die Kanzlerin einstweilen eingestellt hat.