Berlin - Es ist ohne Zweifel ein historischer Einschnitt, wenn der Bundestag an diesem Freitag entscheidet, ob die Ehe künftig auch zwischen zwei Frauen oder zwei Männern geschlossen werden darf. Doch schon wieder hat es den Anschein, dass Deutschland in eine so grundlegende Weichenstellung halb überhastet, halb versehentlich hineingestolpert ist.

Aber der Anschein trügt. Zwar stimmt es, dass die Dynamik dieser Woche der Meinungsänderungen und parteipolitischen Schachzüge am Montagabend mit einem Merkel-Auftritt im Schabowski-Stil einsetzte: Wie der DDR-Regierungssprecher im November ’89 saß da die Kanzlerin vor Live-Publikum und reagierte so unbeholfen auf eine unerwartete Frage aus dem Saal, dass man die im Geschwurbel versteckte Antwort kaum glaubte: Bei der Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben möchte sie „gerne die Diskussion mehr in die Situation führen, dass es eher in Richtung einer Gewissensentscheidung ist“.

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