Berlin - Die Kanzlerin macht Urlaub, und zur Sicherheit hat sie vorher noch einmal klar gemacht: Ich bin die Chefin, und ich bleibe es auch.

Die Umfragen sind schlecht, Angela Merkel gilt nach dem neuerlichen Streit mit der CSU um die Flüchtlingspolitik als angeschlagen, ihre Regierung war kurz vor dem Auseinanderbrechen. Merkel setzte ein Signal der Stärke dagegen. Statt wie sonst so oft einfach in die Bayreuther Opernwelt und die Tiroler Berge zu entschwinden, zog Merkel ihre Sommerpressekonferenz vor den Urlaub.

Merkel will nicht mehr als Königin des Chaos gelten

Scheinbar ungerührt und mit der ihr eigenen Gelassenheit präsentierte sie ihre Agenda. Etwas konkreter, präziser und meinungsfreudiger war sie da im Vergleich zu früheren Jahren – ganz offenkundig der Versuch, nicht mehr als Königin des Chaos, sondern als tatkräftige Regierungschefin wahrgenommen zu werden.

Dass sie Berlin mit einem gewissen Unwohlsein verlässt, zeigte sich an dem nachdrücklichen Hinweis, dass der jüngste Unionsstreit eine grundsätzliche Frage berührt habe und dass derjenige aus dem Kabinett fliege, der sich in Grundsatzfragen gegen die Kanzlerin stellt. Es war die Warnung an CSU-Chef Horst Seehofer und seine Partei, nicht doch mal eben Zurückweisungen an der Grenze anzuweisen - wegen sinkender Umfragewerte, aus Trotz oder weil die Verhandlungen mit Italien über Rücknahmeabkommen zu mühsam sind. Sie arbeite gut mit allen Ministern zusammen, hat Merkel gesagt.

Vertrauen zu Seehofer ist brüchig

Aber ihr Vertrauen zu Seehofer und CSU entspricht dem der Mitglieder einer Wohngemeinschaft, die sich mit Zetteln an der Kühlschranktür gegenseitig davor warnen, den Himbeerjoghurt wegzuessen (wegen sinkender Zuckerwerte, aus Trotz oder weil der Weg zum Supermarkt zu mühsam ist). Die Flüchtlingspolitik ist zwar kein Milchprodukt. Aber wenn Seehofer den Zettel nicht beachtet, wäre der Hausfrieden in der Koalition genauso dahin.