Bis in das Jahr 1993 hinein waren gleichgeschlechtliche Beziehungen in Irland strafbar. Schon deshalb kommt es einer gesellschaftspolitischen Revolution gleich, dass die Bürger des mehrheitlich katholischen Landes nun dafür gestimmt haben, die sogenannte Homo-Ehe in der Verfassung zu verankern.

Es ist ein bemerkenswertes Votum für die Gleichstellung jeglicher eingetragenen Partnerschaften in einer Zeit, in der in immer mehr Ländern der Erde homophobe Einstellungen die politische Praxis bestimmen. Vielerorts werden Homosexuelle offen verfolgt und – wie Russland – durch die Gesetzgebung diskriminiert. Die Zeit der Liberalisierung ist vorbei, es bestand mit Blick auf die globale Entwicklung allenfalls vorübergehend die Hoffnung, einer weltweiten Durchsetzung von gleichen Bürgerrechten ein Stück näherzukommen.

Das irische Abstimmungsergebnis zeigt, dass diese Hoffnung nicht vollends gestorben ist. Erstaunlich unaufgeregt haben die Iren sich zu einer gesellschaftlichen Normalität bekannt, und selbst die Gleichstellungsgegner haben den Siegern artig gratuliert. Für die nun auch bei uns wieder entfachte Debatte sollte das Votum der Iren ein Signal sein, kleinmütige Vorbehalte abzulegen. Es dient nicht nur dem gesunden Rechtsempfinden im Lande, sondern wäre auch ein Beitrag zur Unterstützung von verfolgten Homosexuellen in aller Welt.