Großbritannien hat am 31. Januar 2020 um 23 Uhr Ortszeit (24 Uhr MEZ) die Europäische Union verlassen.
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LondonDie Spaltung der Briten angesichts des nun vollzogenen Brexit hat sich am Samstag auch in den Medienkommentaren widergespiegelt. 

Die rechtsgerichtete Boulevardzeitung „Daily Express“ rief nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs in der Nacht zum Samstag „ein glorreiches neues Britannien“ aus.

Der Londoner „Standard“ prophezeite den Briten hingegen einen „holprigen Weg“ aus der EU.

Das Boulevardblatt „Sun“, das vor dem Brexit-Referendum im Juni 2016 vehement für den Austritt geworben hatte, feierte den Vollzug mit dem Titel „Muscles without Brussels“ (Muskeln ohne Brüssel).

Der „Daily Telegraph“ kommentierte: „Gut gemacht, britisches Volk- endlich draußen“.

Der Fernsehsender Sky News ließ hingegen Wehmut erkennen mit der Laufband-Botschaft „Farewell, au revoir, Auf Wiedersehen“.

Der mit öffentlichen Geldern finanzierte Sender BBC, der wegen seiner Brexit-Berichterstattung sowohl von Befürwortern als auch Gegnern wiederholt kritisiert worden war, berichtete betont nüchtern: „Brexit: Das Vereinigte Königreich verlässt die Europäische Union“, lautete einer der Titel.

Die linksgerichtete Zeitung „The Guardian“ verwies auf die anhaltende Spaltung der Briten im Brexit-Streit. „Die gemischten Gefühle am Brexit-Tag zeigen, dass Großbritannien sich noch nicht wohl in seiner Haut fühlt“, kommentierte die Zeitung. Trotz der Appelle von Premierminister Boris Johnson, die Brexit-Wunden in der britischen Gesellschaft zu heilen, seien sich Befürworter und Gegner nur in einer Sache einig: Beide sähen im Brexit-Vollzug „eine epochale Veränderung in der Geschichte dieser Inseln“.

Die Zeitung „i“ ließ anklingen, dass auch nach dem Brexit noch einiges zu regeln ist. „What next?“ (Was kommt als nächstes?), fragte sie auf ihrer Titelseite.

Großbritannien hatte um Mitternacht (MEZ) den Brexit vollzogen. Es trat damit als erstes Mitgliedsland aus der EU aus. Dem Schritt waren das Referendum vor dreieinhalb Jahren und ein langes politisches Gezerre mit mehreren Verschiebungen des Brexit-Termins vorausgegangen. In einer Übergangsphase bis Jahresende sollen nun die künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien ausgehandelt werden.