Verfahren vor internationalen Gerichten dauern oft viele Jahre. Der Prozess, der an diesem Montag vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag beginnt, könnte dagegen schon in einer Woche Geschichte sein. Al Faqi al Mahdi, auch bekannt unter seinem Kampfnamen Abu Tourab, will sich schuldig bekennen im Sinne der Anklage: Schuldig, in der malischen Oasenstadt Timbuktu die Zerstörung jahrhundertealter muslimischer Heiligtümer befehligt zu haben.

Sein Geständnis erleichtert die Beweisführung, ob es ihm auch eine mildere Strafe einträgt, wird sich zeigen. Denn was ihm vorgeworfen wird, ist ein Kriegsverbrechen. „Hier geht es nicht nur um Mauern und Steine“, formuliert es Chefanklägerin Fatou Bensouda. „Es geht um einen eiskalten Anschlag auf die Würde und Identität der Bevölkerung und ihre religiösen und historischen Wurzeln.“

Moschee mit Äxten zertrümert

2012 hatte im Norden von Mali eine Allianz von lokalen Verbänden der Tuareg-Volksgruppe und länderübergreifend operierenden islamistischen Milizen die Macht übernommen. Erst französische Elitesoldaten stoppten Anfang 2013 ihren Vormarsch auf die Hauptstadt Bamako.

Ehe sie wieder aus Timbuktu vertrieben wurden, machten sich Kämpfer der mit Al-Kaida verbündeten Gruppe Ansar Dine an die Vernichtung des kostbarsten Erbes der Stadt: Mit Schaufeln und Äxten zertrümmerten sie eine Moschee und 14 Heiligengräber, die in ihrem Weltbild Ketzerei bedeuteten. Ihr Anführer Al Faqi al Mahdi konnte 2015 im Nachbarland Niger gefasst werden. Als erster Dschihadist überhaupt wird er nun in Den Haag seinen Richtern gegenübertreten.

Menschen mit ihrem kulturellen Erbe auch ihre Identität zu rauben – diese Strategie gibt es, seit es Kriege gibt. In diesem Jahrtausend machten die Taliban den Anfang, die 2001 die gewaltigen Buddha-Statuen in Bamian in Staub verwandelten. Der IS hat sich in seinem Herrschaftsgebiet auf die Zerstörung vorislamischer Kunstwerke verlegt. Wenn diese Verbrechen schon nicht verhindert werden können, sollen sie wenigstens nicht straffrei bleiben. Dafür soll der Prozess gegen Al Faqi al Mahdi ein Signal setzen. (mit dpa)