Konrad Adam (links) mit Frauke Petry, Bernd Lucke und Alexander Gauland im April 2013.
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Es war eine triumphale Geste, mit der Frauke Petry, Bernd Lucke und Konrad Adam den Jubel des Parteitags im Jahr 2013 entgegennahmen. Sie hatten gerade die AfD gegründet, eine konservativ ausgerichtete Gruppierung, die zunächst angetreten war, der umstrittenen finanziellen Rettung des angeschlagenen EU-Partners Griechenland politisch etwas entgegenzusetzen.

Eine eindeutige Positionierung war dem 1942 in Wuppertal geborenen Journalisten Konrad Adam stets eine Verpflichtung, im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung galt er über viele Jahre als scharfzüngiger Kritiker linker Reform- und Kulturpolitik, dessen Publikationen sogar der Grünen-Politiker und frühere Außenminister Joschka Fischer attestierte, ihm stets als wichtige Orientierung gedient zu haben. Man musste Adams Meinung, etwa zur deutschen Bildungspolitik oder über die ihm unheimliche kulturelle Hegemonie der Linken, nicht teilen. Aber es war in den wechselnden Debatten hilfreich, sie zur Kenntnis zu nehmen. Als Kulturjournalist war Adam, der zur Generation der 68er gehört und einige Vertreter dieser Kohorte zu seinen Freunden zählt, einer der schärfsten Kritiker des kulturellen Erbes dieser Generation.

Der Wechsel in die Politik war für solch ein politisches Temperament durchaus folgerichtig, aber auch fatal. Denn bald musste Adam sich eingestehen, dass sein bürgerliches Weltbild in der Partei, der immerhin auch sein Frankfurter Weggefährte, der frühere CDU-Politiker Alexander Gauland, angehörte, zur bloßen Folklore auf dem Weg nach rechts wurde. Der Rückzug Adams erfolgte auf Raten, nun hat er seinen Austritt aus der AfD zum 1. Januar 2021 verkündet. Konrad Adam begründete seine Entscheidung nicht zuletzt mit dem wachsenden Einfluss des Rechtsaußen-Flügels der Partei um Björn Höcke und Andreas Kalbitz.

Es ist vermutlich ein Zufall, dass die Demission des 78-Jährigen zeitlich mit der Affäre um die mutmaßlichen rechtsradikalen Äußerungen des ehemaligen AfD-Pressesprechers Christian Lüth zusammenfällt. Es macht allerdings deutlich, dass die Partei keine politische Heimat für einen konservativen Intellektuellen sein kann.