Minsk/Donezk - Bei den Gesprächen zum Ukraine-Konflikt in Minsk haben sich die Konfliktparteien auf eine Waffenruhe und die Schaffung einer demilitarisierten Pufferzone geeinigt.

„Wir haben ein Memorandum unterzeichnet“, sagte der ukrainische Ex-Präsident Leonid Kutschma, der Kiew bei den Verhandlungen vertrat, am frühen Samstagmorgen in der weißrussischen Hauptstadt. Zentraler Punkt des Neun-Punkte-Programms ist der Rückzug beider Konfliktparteien auf 15 Kilometer von einer „Kontaktlinie“.

Damit werde eine demilitarisierte Zone von 30 Kilometern Breite geschaffen, sagte Kutschma. Die Zone soll demnach unter Aufsicht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) stehen. Weiter hätten die Konfliktparteien vereinbart, in besiedelten Gebieten keine schweren Waffen einzusetzen, und die Sicherheitszone nicht mit Flugzeugen oder Drohnen zu überfliegen. Auch werde verboten, bewaffnete Gruppen und militärische Ausrüstung in die Zone zu schicken, sagte Kutschma.

Der Separatistenführer Igor Plotnitski sagte, Ziel sei die Schaffung einer „Zone vollständiger Sicherheit“. Er stellte klar, dass bei den Gesprächen nicht über den Status der abtrünnigen Regionen Donezk und Lugansk diskutiert worden sei. An den siebenstündigen Verhandlungen nahmen Vertreter Kiews, Moskaus, der Separatisten und der OSZE teil. Diese sogenannte Ukraine-Kontaktgruppe hatte sich bereits mehrfach in Minsk getroffen, um einen Ausweg aus dem blutigen Konflikt im Osten der Ukraine zu finden.

Letztes Treffen brachte Waffenruhe

Bei dem letzten Treffen am 5. September war eine vage formulierte Waffenruhe vereinbart worden, die trotz vereinzelter Gefechte bisher weitgehend hielt. Zudem wurde damals vereinbart, den Regionen im Osten der Ukraine mehr Autonomie zu gewähren. Das Parlament in Kiew verabschiedete daraufhin am Dienstag ein Gesetz, das Donezk und Lugansk einen Sonderstatus gewährt und Kommunalwahlen vorsieht. Zudem wurde ein Amnestiegesetz für Kämpfer beider Seiten beschlossen. Während das Autonomiegesetz von Moskau als „Schritt in die richtige Richtung“ begrüßt wurde, wiesen die Separatisten es zurück und beharrten darauf, dass sie eine komplette Loslösung von Kiew anstrebten. Bei den ukrainischen Nationalisten stieß das Gesetz auf heftige Kritik.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hofft jedoch mit den Zugeständnissen an Russland, einen politischen Ausweg aus dem blutigen Konflikt zu finden, der seit April bereits mehr als 2600 Menschen das Leben gekostet hat. Die ukrainischen Regierungstruppen hatten im Juli und August in wochenlangen Kämpfen weite Gebiete von den Separatisten zurückerobert, doch dann hatte sich das Blatt gewendet, und sie mussten mehrere Städte wieder aufgeben. Kiew warf daraufhin Russland vor, angesichts der drohenden Niederlage der Separatisten mit eigenen Truppen direkt in den Konflikt eingegriffen zu haben.

Moskau wies dies zurück, doch berichteten auch zahlreiche Journalisten über russische Militärkonvois im Osten der Ukraine. (afp)