Ein Wartebereich in Thailand. Abstand halten ist die neue Höflichkeit.
Foto: dpa/Sakchai Lalit/AP

BerlinDas Gebot der Stunde ist die Reduktion der sozialen Kontakte, und nach der Gratisempörung eines Komödianten wie Oliver Pocher, demzufolge die Dummen immer noch nicht begriffen haben, um was es gehe, stellen sich nun die Erfolgsmeldungen ein, dass es überall schön übersichtlich wird. 

Abstand halten ist die neue Höflichkeit, die Veränderung des Verhaltenskodexes bringt täglich neue oder wenig bekannte Phänomene hervor. Allerdings nicht nur solche, die allgemeines Wohlgefallen hervorrufen und für die man abends auf dem Balkon klatscht.

Lesen Sie die aktuellen Entwicklungen in unserem überregionalen Newsblog zum Coronavirus oder alles Wichtige aus der Region im Berlin-Newsblog zum Coronavirus. >>

In der Münchner U-Bahn soll am Montag ein Mann einen Fahrkartenautomaten, eine Haltestange und den Handlauf einer Rolltreppe abgeleckt haben. Er gab an, mit dem Coronavirus infiziert zu sein. Der 33-Jährige filmte seine Aktion und postete das Video unter dem Hashtag „#Coronachallenge“ in den sozialen Medien, ehe er von der Polizei festgenommen wurde. Gegen den Mann wird nun wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung ermittelt.

Man muss kein geschulter Psychologe sein, um den Zwischenfall als Ausdruck eines alltäglichen Irreseins zu betrachten. Der gesellschaftliche Ausnahmezustand, der gerade erst beginnt, wird auch soziale Grenzsituationen hervorrufen, vor denen routiniertes Kopfschütteln, Geduld und Toleranz womöglich versagen.

Gegen die Gefahr der Infizierung hilft ein hoffentlich stabiles Gesundheitssystem, gegen die ökonomischen Desaster ein starker Staat und eine bewegliche Politik. Für den psychischen Stresstest aber bedarf es bei aller Kontaktarmut der Umsicht der vielen für die anderen – gerade wenn sie Gefahr laufen, durchzudrehen.

Die Coronavirus-Pandemie: Aktuelles, Hintergründe und Analysen >>