Konzept zur zivilen Verteidigung: Bundesregierung will Bevölkerung zu Hamsterkäufen raten

Berlin - Untergangsszenarien sind immer ein Spiegel ihrer Zeit, und während sich die Menschen in biblischen Tagen vor der galoppierenden Apokalypse gruselten, bereiteten sich die Deutschen in Ost und West bis 1989 auf Atomschläge durch den gegnerischen Block vor. Heute blicken wir eher amüsiert darauf, wie in der DDR Neuntklässler übten, den Klassenfeind  zu verjagen, und wie in der Bonner Republik so lange an einem Atombunker für die Regierung gebaut wurde, bis der den modernen Waffen unterlegen war.

Die Bedrohungen der Gegenwart sieht eine Gesellschaft dagegen stets mit  großer Anspannung – noch ist ja nicht klar, ob es gut ausgeht. Das allein spricht ohne Zweifel dafür, sich auch gegen unwahrscheinliche Risiken zu wappnen.

Da überrascht es tatsächlich, dass die Bundesrepublik  improvisieren müsste, wenn weite Teile des Landes auch nur für drei Tage ohne Stromversorgung wären.

Denn während der aktuelle Krisenplan fast 30 Jahre alt ist, wären die Folgen im heutigen Internetzeitalter viel verheerender –  wegen einer mehrfach vernetzten Infrastruktur und auch angesichts eines Lebensstils, in dem Vorratshaltung und eigenhändige Reparaturen kaum noch vorkommen.

Doch auch hier macht der Ton die Musik. Problematisch an dem Zivilvorsorge-Konzept ist  keineswegs das Konzept an sich. Es ist aber unnötig, dass die Autoren notwendige Vorsorge mit politischen Ambitionen vermengen. Selbst der verheerendste Terroranschlag im Westen – die Serie vom 11. September 2001 – machte keine Nahrungsvorräte für eine Woche nötig. Die Annexion der Krim durch Russland bedeutet nicht, dass Gebäudebau in Deutschland künftig die Möglichkeit eines Atomschlags berücksichtigen muss. 

Wenn ein nüchterner Vorgang wie die Bündelung überfälliger Havariepläne und Vorsorge-Informationen mit dem Stichwort „islamistischer Terrorismus“ gewürzt wird, spiegeln sich erneut vor allem die Ängste unserer Zeit.