Mette Frederiksen, mit Angela Merkel und Charles Michel.
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In Dänemark gibt es keine Maskenpflicht. Erstmals sahen die Dänen ihre Premierministerin Mette Frederiksen beim Corona-Gipfel der EU mit einem Mundschutz. Frederiksen geht bei den Pandemie-Maßnahmen einen etwas anderen Weg als die meisten anderen Staaten. Sie verfolgt einen Mittelweg zwischen den rigiden Verordnungen vieler anderer Länder und dem vergleichsweise liberalen Weg der Schweden. So gab es zunächst einen kurzen, aber ziemlich vollständigen Lockdown. Doch schon bald wurden die Schulen wieder geöffnet. Eine Maskenpflicht gibt es nur an Flughäfen und für kranke Personen, wenn sie das Haus verlassen oder zum Arzt gehen. Beim Einkaufen, in Schulen oder Fitnessstudios dagegen gibt es für die Dänen weiterhin keine Auflagen.

Henning Bundgaard, Chefarzt am Rigshospitalet in Dänemark und Professor für Kardiologie, arbeitet gerade an einer Studie zur Wirksamkeit von Masken im Kampf gegen das Virus. Er kritisiert, dass in vielen Ländern die Maskenpflicht ohne vorherige, valide Studien eingeführt worden sei. „Alle Länder, die Gesichtsmasken empfehlen, haben ihre Entscheidungen nicht auf der Grundlage neuer Studien getroffen", sagte Bundgaard in einem Bloomberg-Interview. Zwar liegen die Ergebnisse seiner Studie noch nicht vor. Doch Bundgaard sagt, dass die Masken einen Eindruck der falschen Sicherheit vermittelten. Das Virus könnte auch über andere Körperteile in den Organismus gelangen, etwa über die Augen. Selbstisolation im Krankheitsfall, das Einhalten von Abstand und das häufige Händewaschen seien die besseren Maßnahmen.

Die dänische Wirtschaft hat von der differenzierte Strategie Frederiksens profitiert. Die Börse in Kopenhagen übertraf sogar die US-Börsen. „Es ist offensichtlich klar, dass Dänemark schnell mit dem Virus fertiggeworden ist“, sagte David Oxley, Ökonom mit Schwerpunkt auf nordischen Volkswirtschaften bei Capital Economics, der New York Times.

Unumstritten ist der Kurs der Regierung allerdings nicht. Zwar wird Dänemark nicht so massiv kritisiert wie Schweden, doch aktuell wird an vielen Stellen die Sorge vor einer „zweiten Well“ laut. Die älteste Zeitung des Landes, Berlingske Tidende, schrieb, dass sogar US-Präsident Donald Trump bei den Masken umgedacht habe.

Einwohner und Touristen im dänischen Aarhus müssen nach einem Corona-Ausbruch ab Dienstag vorübergehend im öffentlichen Nahverkehr Mundschutz tragen. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus müssen dann Mund und Nase in allen Bussen, Straßenbahnen und Fähren sowie an Bahnhöfen und Haltestellen in der Kommune Aarhus bedeckt werden. Die Maßnahme gilt vorläufig für drei Wochen, also bis zum 1. September, wie aus einer am Montag veröffentlichten rechtlichen Information des Gesundheitsministeriums hervorgeht.