Berlin - Die Berliner Regierungsinstitution mit dem dramatisch klingenden Namen „Corona-Kabinett“ hat gerade die Corona-Schnelltest-Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gestoppt. Doch im Nachbarland Österreich zeigt sich derzeit, dass eine solche Strategie durchaus eine schnelle und wirksame Möglichkeit sein kann, aus dem Lockdown zu finden.

Spahn wollte ab 1. März kostenlose Schnelltests für all jene anbieten, die sich testen lassen wollen. Das Ziel: In Schulen den Präsenzunterricht wieder ermöglichen und auch erste Lockerungen wie die Öffnung von Geschäften. Doch das Corona-Kabinett befand, dass es noch zu viele offene Fragen gebe und zum Beispiel unklar sei, wer wen wo und wie teste. 800 Millionen Test seien bestellt. Doch bislang werden sie vor allem in Krankenhäusern und Pflegeheimen durch geschultes Personal eingesetzt. Wann dies breitenwirksam erfolgt, ist noch offen.

In Wien seit 8. Februar kostenlos möglich

In Österreich sind diese Schnelltests seit 8. Februar im Einsatz – seit der Öffnung von Geschäften, Museen und „körpernahen Dienstleistungen“ wie Friseurläden oder Physiotherapien. Restaurants und Theater dagegen sind noch geschlossen.

In Österreich ist es nach Berechnungen der Technischen Universität Wien nicht nur in den größeren Städten möglich, sich schnell kostenlos testen zu lassen. Eine Studie der Uni ergab, dass zum Beispiel in Wien gerade mal eine Fahrzeit von maximal fünf Minuten nötig sei, um die nächste „Test-Straße“ – wie die Testzentren dort heißen – zu erreichen. Im ganz Österreich sind inzwischen 98 Prozent der Bürger innerhalb einer 15-minütigen Autofahrt an einer Test-Straße.

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Die Läden in Österreich sind wieder geöffnet, aber die Restaurants weiterhin dicht.

„Wir haben inzwischen ein dichtes landesweites Netz für die kostenlosen Tests“, sagt Margit Draxl, die Sprecherin des österreichischen Gesundheitsministers Rudolf Anschober (Die Grünen), der Berliner Zeitung. Die Teststrategie, die seit Februar läuft, sei hoffnungsvoll. Doch derzeit würde die Zahl der positiven Tests in Österreich wieder steigen. Eine Vermutung ist, dass dies nicht so sehr Folge der Öffnung der Geschäfte ist, sondern an der enorm gestiegenen Zahl der Tests liegt. „Wir bewegen uns noch auf dünnem Eis“, sagt die Ministeriumssprecherin.

Grundsätzlich gilt: Wer Kundenkontakt hat, muss sich einmal pro Woche testen lassen, zum Beispiel Verkaufspersonal oder Friseure. Aber auch Leute, die in die Geschäfte wollen, müssen einen maximal 48 Stunden alten Test bei sich tragen: Den bekommen sie in den Test-Straßen als Ausdruck oder als QR-Code aufs Handy, um ihn bei Kontrollen vorzuweisen.

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Gesundheitsminister Rudolf Anschober von den österreichischen Grünen.

Alle Tests sind kostenlos. Die Begründung der Regierung: Sonst wären die Leute nicht dazu bereit. Außerdem koste der Lockdown Milliarden. Die Test kosten zwar auch viele Millionen, insgesamt aber trotzdem viel weniger als der Lockdown.

Das Prinzip der Tests ist dreifach differenziert: Es gibt die sogenannten Schultests, die Schüler und Lehrer bekommen, um sich selbst damit „in der Nase zu bohren“ und regelmäßig zu testen. Solche Selbsttests sind in Deutschland noch nicht zugelassen, hier darf nur geschultes Personal tätig werden. Als zweites gibt es nun für alle Österreicher jeweils fünf Tests kostenlos für den Privatgebrauch. Die Idee ist, wer mal wieder Bekannte oder Freunde besuchen und sicher gehen wolle, könne sich testen.

Diese beiden Tests erlauben es allerdings nicht, in Geschäfte oder zu „körpernahen Dienstleistungen“ zu gehen. Für diese sogenannten „Zutritts-Tests“ müssen die Leute die Test-Straßen mit professionellem Personal besuchen, das sind Ärzte, Apotheker oder andere medizinische Fachkräfte. Test-Straßen gibt es auch in kleinen Dörfern, etwa in einer Tischlerei, die dort ihre Mitarbeiter ohnehin von einem Sanitäter testen lassen will und dann diesen Service für den gesamten Ort anbietet.

„Die Sache ist wirklich sehr sinnvoll und sehr einfach“, sagt die 46-jährige Wienerin Barbara Gruber am Telefon. „Ich habe schon einen solchen Test gemacht.“ Sie wollte ihren Großvater im Heim besuchen. Gruber meldete sich online bei einer Test-Straße in einer Tiefgarage an. „Ich bekam einen Termin und einen QR-Code aufs Handy, den zeigte ich am ersten Fenster vor, am zweiten bekam ich das Teströhrchen mit dem Wattestäbchen, das ich am dritten Fenster abgab.“ Dann bekam sie ihr Ergebnis als Ausdruck. „Wäre es positiv gewesen, hätte ich gleich zu einem PCR-Test gemusst“, sagt sie. „Nach vielleicht 20 Minuten war ich aus der Test-Straße wieder raus. Die Tests bieten auch viele Apotheken an, da geht es noch schneller.“

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Schnelltest-Station in Wien. 

Margit Draxl, die Sprecherin des Gesundheitsministers, sagt: „Gerade wurden bei uns drei Millionen Tests innerhalb einer Woche durchgeführt.“ Rein rechnerisch hat sich ein Drittel der Bevölkerung pro Woche testen lassen. „Aber die Tests sind nur ein Teil der Strategie. Es gilt weiterhin: Abstand halten, Kontakte minimieren und auch Maske tragen“, so die Sprecherin.

In Wien hat die Stadtverwaltung neun Test-Straßen eingerichtet. Dazu kommen die Apotheken. Täglich werden in Wien bis zu 50.000 Gratisschnelltests durchgeführt. In den Schulen wurden in diesem Monat bereits 500.000 Testungen veranlasst.

Keine Vorreiterrolle beim Impfen

Beim Thema Impfen spielt Österreich allerdings keine Vorreiterrolle, auch wenn das Gesundheitsministerium gerade stolz mitteilte, dass statistisch gesehen alle 5,5 Sekunden jemand geimpft werde. Im direkten Vergleich sieht es dort nicht viel besser aus als in Deutschland. Von den knapp acht Millionen impfberechtigten Österreichern haben seit dem 18. Dezember 308.356 Menschen die erste Dosis erhalten. Das entspricht einer Impfquote von 3,97 Prozent. 199.710 Menschen bekamen bereits die zweite Impfung – eine Quote von 2,57 Prozent.

Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Quote bei den Erstimpfungen bei 4,1 Prozent (etwa 3,4 Millionen Geimpfte). 1,8 Millionen Deutsche bekamen bis Montag bereits die zweite Impfung. Das entspricht einer Quote von 2,2 Prozent.

„Wien hat beim Impfen wie auch Berlin mit annähernd den gleichen Problemen zu kämpfen“, sagt Norbert Schnurrer, Sprecher des Wiener Gesundheitsstadtrates Peter Hacker (SPÖ), der Berliner Zeitung. So gab es beispielsweise auch in der österreichischen Hauptstadt im Januar einen Impfstoffmangel, als es beim Hersteller Biontech/Pfizer auf Grund einer Werksumstellung zu Lieferengpässen kam. „Sogar Termine mussten abgesagt werden“, sagt er. In Berlin musste der Senat die Impfstoffreserve angreifen, um fest zugesagte Termine nicht verschieben zu müssen.