Berlin - Deutschlands Intensivstationen leiden unter einer Personalflucht. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervor. Demnach steht 72 Prozent der befragten Kliniken weniger Pflegepersonal zur Verfügung als noch  Ende 2020. Grund sind Kündigungen, interne Stellenwechsel oder der Übergang in Teilzeit. Ausfälle durch Krankheit verschärfen die Notlage zusätzlich. Krankheitsursache ist vielfach Überlastung durch das erhöhte Arbeitsaufkommen infolge der Corona-Pandemie.

Viele Kliniken konnten Intensivbetten zumindest zeitweise nicht betreiben. Ohnehin geht die Bettenkapazität auf Intensivstationen zurück. Ein Grund dafür sind die Personaluntergrenzen, die seit diesem Jahr gelten und eine Pflegekraft für zwei Patienten am Tag und drei Patienten nachts vorschreiben. Wegen Personalmangel und um Strafzahlungen zu vermeiden, werden die Betten abgemeldet. Insgesamt ist die  Zahl der Intensivbetten zuletzt um 16 Prozent von 26.475 auf 22.207 Betten deutschlandweit gesunken, teilte die Fachgesellschaft Divi Ende Oktober mit.

„Vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus und zunehmenden Inzidenzen von hospitalisierten Covid-19-Fällen sind diese Entwicklungen äußerst kritisch zu sehen“, schreibt das DKI in seinem Fazit. „Bei Fortschreiten dieser Trends werden die Intensivstationen absehbar überlastet sein, sodass Einschränkungen beim Elektivprogramm der Krankenhäuser oder Sperrungen von Intensivbetten auch für Notfälle drohen.“ Derzeit seien die meisten Patienten auf Intensivstationen ungeimpft, teilt das DKI weiter mit.

Krise auf Intensivstationen: Große Kliniken stärker betroffen

Berufsflucht betreffen in gut einem Drittel der Kliniken fünf Prozent des Pflegepersonals. Größere Häuser mit mehr als 600 Betten und daher größeren Intensivkapazitäten sind davon überproportional betroffen. Zwei Drittel dieser Großkliniken haben seit Ende 2020 fünf bis zehn Prozent und mehr ihres Intensivpflegepersonals verloren. 

„Die Situation der Intensivpflege in Berlin ist zunehmend angespannt“, sagt Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG). „Wir können in Berlin zahlreiche Intensivbetten nicht vollständig betreiben und müssen Betten sperren, weil das Personal fehlt. Planbare Operationen und Eingriffe, soweit dies medizinisch vertretbar ist, werden bei anhaltender Entwicklung in absehbarer Zeit wieder verschoben werden müssen.“ Zehn Prozent der Betten insgesamt müssten Schreiners Einschätzung nach bald für Corona-Patienten freigehalten werden. „Eine weitere Verschärfung der Lage und damit steigende Belastung der Krankenhausbeschäftigten kann unter anderem durch höhere Impfquoten vermieden werden, denn Covid-19-Patienten und -Patientinnen auf den Intensivstationen sind meist ungeimpft.“