Die „AIDA bella“ auf Kreuzfahrt vor Thailand.
Foto: AIDA Cruises

Hamburg/BerlinDie Corona-Pandemie hat die Reise-Branche in eine große Krise gestürzt. Fluglinien, Reiseveranstalter oder auch Hotels müsse neu denken, um die hohen Verluste wieder aufzufangen. Besonders betroffen ist der weltweite Markt für Kreuzfahrten. Eine Bestandsaufnahme.

Für die einen sind Ozeanriesen die Urlaubsversion schlechthin. Man reist mit dem Hotel, jeden Morgen erreicht man eine andere Destination – ohne selbst fahren zu müssen. An Bord wird man paradiesisch verwöhnt, man muss sich quasi um nichts kümmern. Für andere sind Kreuzfahrtschiffe einsame Inseln, von denen man nicht runterkommt, wenn man will und die die Umwelt verpesten. Beide Zielgruppen eint gerade eins: die Objekte ihrer Begierde oder Ablehnung sind auf den Weltmeeren nicht zu sehen. Sie sitzen in den Häfen fest. Corona ist schuld.

Kleine Kreuzfahrtschiffe können zuerst starten

Experten gehen davon aus, dass kleinere Kreuzfahrtschiffe nach der Corona-Krise schneller wieder in Fahrt kommen dürfen und noch mehr Kundenzuspruch erhalten. Oder große Kreuzfahrtschiffe, die ihre Kapazitäten nicht ausnutzen und neue Routen wählen.

Ob vielleicht die Reederei Hapag-Lloyd Cruises dazu gehört, ist noch unklar. Aber ihre Schiffe sind viel kleiner, selbst die „MS Europa 2", die zurzeit in Hamburg liegt, hat nur Platz für 500 Gäste. Das wäre natürlich für die gesundheitlichen Kontrollen ein Vorteil. Alle Schiffe dieser Flotte haben mobile Labore an Bord, zur Schnellerkennung von Viren.

TUI-Chef Fritz Joussen: „Wir werden Mini-Kreuzfahrten machen. Wir verlegen Schiffe nach Norddeutschland“. Es gehe dabei um „Kurz-Kreuzfahrten in der Nordsee mit nur 1000 Gästen auf dem Schiff, um auch hier die Sicherheit zu gewährleisten“. Diese Regelung soll zunächst bis 31. August gelten und ist Teil eines Gesamtkonzepts zur Wiederbelebung der Reiseaktivität. Außerdem soll es an Bord der Schiffe keine Selbstbedienung mehr geben, in den Theatern wird nur jeder dritte Platz belegt und die Kids Clubs dürfen von maximal zehn Kindern besucht werden.

Wir werden Min-Kreuzfahrten machen. Wir verlegen Schiffe nach Norddeutschland.

TUI-Chef Fritz Joussen zu den Plänen für TUI Cruises

Passagiere an Bord der Schiffe des Konzerns, etwa von Hapag-Lloyd Cruises und TUI Cruises, sollen vor Beginn der Reise einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen und beim Boarding einem "Screening", zum Beispiel in Form einer Temperaturmessung, unterzogen werden. Das Boarding soll, wie auch bei Flugzeugen und Transferbussen, gestaffelt erfolgen, um Menschenansammlungen mit großer Nähe zueinander zu vermeiden.

Die "Mein Schiff 6" aus der Flotte von TUI Cruises.
Foto: Reederei

Durch knapp 70 abgesagte Kreuzfahrten sind bei TUI Cruises mehr als 85.000 Vorgänge in der Bearbeitung. Der Kundenservice arbeitet nahezu rund um die Uhr, um allen Gästen und Reisebüros so schnell und individuell wie möglich zu antworten. Darüber hinaus wurden kurzfristig zahlreiche Kollegen aus fachfremden Abteilungen geschult, um sowohl im Kundenservice als auch der Buchhaltung zu unterstützen. Trotz allem dauert die Bearbeitung und Rückerstattung im Moment länger als unsere Gäste es gewohnt sind.

TUI entschädigt mit Reise-Guthaben

Dafür entschuldigt sich TUI Cruises bei allen Gästen und bittet um Verständnis und Geduld in dieser Ausnahmesituation. Das Mein Schiff-Reiseguthaben wird vorübergehend für die abgesagten Reisen eingeführt und besteht aus der dafür geleisteten Zahlung. Gäste können das persönliche Mein Schiff-Reiseguthaben wie ein Zahlungsmittel für Ihre nächste Kreuzfahrt einsetzen.

Das Guthaben wird mit dem neuen Reisepreis verrechnet. Als Dankeschön für das Vertrauen und die Treue erhalten Gäste mit Einlösung ihres Mein Schiff-Reiseguthabens bis zum 31.10.2020 eine Ermäßigung in Höhe von 10 Prozent auf den neuen Reisepreis (Kreuzfahrt inklusive Flug An- und Abreisepaket). Dies gilt unabhängig vom Tarif für alle Reisen aus dem Programm. Für Gäste, die noch etwas mehr Zeit für die Planung benötigen, bietet TUI Cruises 5 Prozent Ermäßigung auf die neue Reise bei Einlösung des Reiseguthabens bis 31.12.2021.

Neben TUI Cruises hat das für den Neustart auch schon die Reederei Plantours, überlegt. Ihre "MS Hamburg" wird gerade bei der Werft Blohm + Voss auf Vordermann gebracht und könnte auch schon im Sommer diese Kurztouren vielleicht auch ab Hamburg anbieten. Natürlich sind die drei Kreuzfahrtterminals in Hamburg nicht die einzigen Startorte für Nordsee-Fahrten. Auch Konkurrent Bremerhaven wäre da im Spiel, zumal man dort sehr viel schneller in der Nordsee ist, als von Hamburg aus.

Die "AIDA perla" ist eins der jüngeren Schiffe aus der AIDA-Flotte. Die Taufe fand am 30. Juni 2017 in Palma de Mallorca statt. Taufpatin war Lena Gercke.
Foto: Reederei

Warum Landgänge machen? Auch an Bord gibt es viel zu erleben

Das Geschäftsmodell, ein Kreuzfahrtschiff nicht mehr zu Landgängen zu verlassen, basiert auf den Erfahrungen mit größeren Schiffen. AIDA gilt da als Vorreiter: schon die „AIDAperla“ und die „AIDAnova“, zwei Schiffe mit je 5.000 Passagieren, sind so gebaut worden, dass die Gäste an Bord möglichst viel erleben können - und dafür oft auch extra zahlen sollen. So wird der Reisepreis der Kunden dann durch Zuzahlungen deutlich erhöht, der Gewinn steigt für die Reedereien. Nun ist bei TUI Cruises zwar alles inklusive. Dennoch hat es auch hier in letzter Zeit immer mehr An-Bord-Angebote gegeben, die extra zu bezahlen waren - etwa Workshops oder Spa-Anwendungen.

„Mit einer Normalisierung vor Ende Juni 2020 ist aufgrund der geltenden Einreisebestimmungen in unseren Zielgebieten leider nicht mehr zu rechnen“, so Hansjörg Kunze, Vice President Communication der Reederei Aida. „Diese außergewöhnlichen und unvorhersehbaren Umstände zwingen AIDA daher dazu, die vorübergehende Unterbrechung der AIDA Reisesaison erneut zu verlängern. Leider können auch alle Reisen bis einschließlich 30. Juni 2020 nicht wie geplant stattfinden. Alle Gäste, die in diesem Zeitraum eine Reise mit AIDA gebucht haben, werden informiert. Die Bearbeitung der Buchungen erfolgt chronologisch nach Abreisedatum.“

AIDA liegt sehr viel daran, seinen Gästen ihren lang ersehnten AIDA Urlaub zu einem späteren Zeitpunkt zu ermöglichen. Dafür erstattet AIDA allen Gästen, deren Reise im Zeitraum vom 8. März bis 30. Juni 2020 abgesagt wurde, den bereits gezahlten Reisepreis in Form eines Reiseguthabens. Für das Vertrauen der Gäste bedankt sich AIDA zusätzlich mit einem Bonus in Höhe von 10 Prozent auf die bereits geleistete Zahlung. Das Guthaben kann bei Buchungen bis zum 31.12.2021 für alle AIDA Reisen aus dem vielfältigen Angebot eingesetzt werden.

MSC startet erst am 10. Juli mit Kreuzfahrten

Die gesamte Flotte von MSC Kreuzfahrten bleibt bis zum 10. Juli in den Häfen. Dies hat das Unternehmen jetzt wegen der weltweit anhaltenden Reisebeschränkungen entschieden. MSC Cruises bietet Kunden der abgesagten Kreuzfahrten einen Gutschein über den gezahlten Reisepreis an, den sie bis Ende 2021 für eine beliebige Kreuzfahrt aus dem MSC-Programm einsetzen können.

Zudem macht MSC Gästen den Voucher mit einem Bordguthaben in Höhe von 100 bis 400 Euro pro Kabine schmackhaft, abhängig von der Länge des ursprünglichen Törns. Kreuzfahrten zwischen dem 11. Juli und dem 30. September 2020 können kostenlos auf ein zukünftiges Abfahrtsdatum bis zum 31. Dezember 2021 auf jedes MSC-Schiff mit einer beliebigen Reiseroute umgebucht werden.

Blick auf das Sonnendeck der MSC Magnifica.
Foto: Reederei

Durch die außergewöhnlichen und unvorhersehbaren Umstände sieht sich Costa Crociere dazu gezwungen, die vorübergehende Unterbrechung der Reisesaison erneut zu verlängern. Auch alle Reisen bis einschließlich 30. Juni 2020 können nicht wie geplant stattfinden. Alle Gäste und Reisebüros, die in diesem Zeitraum eine Reise mit Costa gebucht haben, werden informiert.

Die Bearbeitung der Buchungen erfolgt chronologisch nach Abreisedatum. Costa bietet den betroffenen Gästen diese Möglichkeiten an: Sie erhalten einen Gutschein und einen Vertrauens-Bonus on top von 10 Prozent auf die an Costa Kreuzfahrten geleisteten Zahlungen. Dieser Gutschein kann für alle Reisen bis einschließlich 31.12.2021 genutzt werden, auch für bereits gebuchte Costa Kreuzfahrten der Kunden. Gästen, die ihren Voucher und den 10 Prozent Bonus nicht in Anspruch nehmen möchten, erstattet Costa Kreuzfahrten auf Wunsch den Reisepreis in Höhe der bereits geleisteten Zahlung. Die Erstattung erfolgt über ein spezielles Antragsformular.

Ab Mitte Juni geht's wieder in Richtung Nordkap

Hurtigruten verlängert die Betriebspause bis 15. Juni. Den Gästen wird die kostenlose Umbuchungen für alle Reisen angeboten, die vor dem 30. September beginnen. Wer sich dafür entscheidet, erhält zehn Prozent Rabatt auf alle künftigen Hurtigruten-Reisen in den Jahren 2020 und 2021. Ab 16. Juni will die Reederei den Betrieb schrittweise wieder aufnehmen. Für diesen Tag ist die erste Abfahrt der „Finnmarken“ ab Bergen geplant.

Expeditions-Seereisen sollen ebenfalls wieder stattfinden. Und zwar in Gebiete, in denen die Corona-Beschränkungen aufgehoben sind. Für jede einzelne Reise wird eine individuelle Entscheidung getroffen und alle gebuchten Gäste bis spätestens jedoch drei Wochen vor der geplanten Abreise, über Änderungen informiert, die sich auf ihre Reise auswirken.

Die "Finnmarken" aus der Hurtigruten-Flotte.
Foto: Reederei

„Umfang und Ausmaß unseres stufenweisen Neustarts hängen von nationalen und internationalen Reisebeschränkungen, staatlicher Unterstützung und anderen externen Faktoren ab, die sich unserer Kontrolle entziehen. Aber wir freuen uns bereits sehr darauf, wieder Gäste an Bord unserer Schiffe willkommen zu heißen”, sagt CEO Daniel Skjeldam.

Auf Grundlage der Entscheidung der Finnischen Regierung, dass bestimmte Personengruppen seit dem 14. Mai 2020 wieder nach Finnland reisen dürfen, verkauft Tallink Silja ab sofort wieder Tickets dorthin. Einreisen dürfen alle Berufspendler sowie Personen mit alternativlosen Gründen für ihre Reise. Für Passagiere, die aus Finnland reisen, war der Ticketverkauf trotz des Notstandes nie unterbrochen worden.

Außerdem wird Tallink Silja sein Schiff „Star“ für die kommenden Wochenenden wieder auf die Route Tallinn-Helsinki zurückholen. Ab sofort können Passagiere, die aus arbeitstechnischen oder unverschiebbaren Gründen nach Finnland reisen möchten, Tickets für die Schiffe „Megastar“, „Star“, „Baltic Princess“ und „Galaxy“ kaufen.

Luxus-Kreuzer stechen erst im September wieder in See

Die Traditionsreederei Cunard dazu entschieden, als Vorsichtsmaßnahme die Unterbrechung des Kreuzfahrtbetriebs aller drei Schiffe erneut zu verlängern. Somit werden keine Reisen der „Queen Mary 2“ und der „Queen Victoria“ mit Abfahrt bis einschließlich 31. Juli 2020 mehr stattfinden. Da für die „Queen Elizabeth“ ein stark verkürzter Aufenthalt in Alaska operativ nicht umsetzbar ist, wird ihre gesamte Alaska-Saison abgesagt, inklusive aller Reisen der jüngsten „Cunard Queen“ mit Abfahrt bis einschließlich 8. September 2020.

Dies sind wirklich beispiellose Zeiten. Und dieser globale Ausbruch fordert uns, unsere Industrie und unsere Welt weiterhin auf unvorstellbare Weise heraus.

Simon Palethorpe, Präsident der Reederei Cunard

Simon Palethorpe, Präsident von Cunard, sagt dazu: „Dies sind wirklich beispiellose Zeiten. Und dieser globale Ausbruch fordert uns, unsere Industrie und unsere Welt weiterhin auf unvorstellbare Weise heraus. Wir würden nichts lieber tun, als unsere Schiffe wieder in Betrieb zu nehmen und unseren Gästen den Urlaub zu bieten, den sie verdienen und nach dem sie sich sehnen, aber mit den weltweit geltenden Ausgangs- und Reisebeschränkungen ist dies derzeit schlicht nicht möglich.“

Die "QM 2" vor der Skyline von New York.
Foto: Reederei

Er fügt hinzu: „Wir bereisen seit 180 Jahren die Weltmeere und wir freuen uns schon auf viele weitere Jahre. Wir werden diese schweren Zeiten gemeinsam überstehen und freuen uns darauf, unsere Gäste zurück an Bord zu begrüßen, wenn die Zeit reif dafür ist.“ Alle Gäste und Reisebüros, deren Kunden von den neuen Reisestornierungen betroffen sind, werden von Cunard darüber informiert.

Wie auch schon bei der vorherigen Verlängerung der Betriebspause, erhalten betroffene Gäste, deren Reise storniert wurde, automatisch ein Guthaben für eine zukünftige Kreuzfahrt über 125 Prozent des bereits geleisteten Zahlungsbetrags für ihre ursprüngliche Reise, das auf eine neue Reise bis Ende März 2022 angewendet werden kann. Darüber hinaus können Gäste dieses Guthaben nun ebenfalls für die Buchung einer zweiten Kabine für Familie oder Freunde nutzen oder es für ein Upgrade einer bestehenden Buchung einsetzen.

Wie Star Clippers mitteilt, können Gäste zunächst bis zum 1. Juni kostenfrei auf eine Kreuzfahrt der gleichen oder einer anderen Route umbuchen. Die Aktion gilt für den Reisezeitraum bis Ende März 2022, für Gäste von abgesagten Reisen als Alternative und für Gäste von nicht abgesagten Reisen in 2020, die gerne umbuchen möchten.

Die "Star Clipper" unter vollen Segeln.
Foto: Reederei

Die drei Luxussegler der Reederei werden im Juni nicht in See stechen. So fallen bei der "Royal Clipper" Abfahrten bis zum 13. Juni aus, bei der "Star Clipper" gibt es Absagen bis zum 27. Juni, genau wie bei der "Star Flyer". Zudem gelten neue Umbuchungskonditionen.

Amerikanische Häfen bleiben erst einmal gesperrt

Zu einem der heikelsten Punkte, dem Anlauf von Häfen und den damit verbundenen Landgängen, hielt sich der TUI--Chef übrigens sehr bedeckt. Es sollten "gemeinsame Verfahren mit Hafenbehörden bei möglichen Corona-Fällen entwickelt werden", erklärte er lediglich.

Hierbei wird wohl das Anlegen in den USA besonders schwierig.  Denn die US-Gesundheitsbehörde hat die am 14. März verhängte "No Sail Order" für Kreuzfahrtschiffe um 100 Tage verlängert. Das kommt einem Kreuzfahrtverbot bis mindestens Mitte Juli gleich. Kreuzfahrten hätten wesentlich zur Verbreitung des Corona-Virus in den USA beigetragen.

Die Verlängerung der "No Sail Order" des Center for Disease Control an Prevention (CDC) trifft die Kreuzfahrtindustrie ins Mark. Sie gilt praktisch für alle größeren Schiffe, die die USA anlaufen oder sich in ihren Gewässern befinden. Das heißt, nicht nur Törns an der Ost- und Westküste sowie in Alaska sind von dem Verbot betroffen. Auch die allermeisten Karibikkreuzfahrten, da sie überwiegend in den USA starten.

Ausgenommen sind nur Schiffe mit bis zu 250 Passagieren. Das bedeutet, dass kleinere Expeditionsschiffe wieder fahren dürfen. Konkret heißt es in der Verordnung, Kreuzfahrten müssten so lange ausgesetzt werden, bis entweder die Beendigung des gesundheitlichen Notstands durch das Gesundheitsministerium erfolge, die Aufhebung der Verordnung durch den CDC Direktor auf Grundlage der öffentlichen Gesundheit oder anderer Erwägungen geschehe oder 100 Tage ab dem Datum der Veröffentlichung der Verordnung vergangen seien.

100 Schiffe mit 80.000 Crewmitgliedern in US-Gewässern

CDC-Direktor Robert Redfield gibt den Kreuzfahrten eine Mitschuld an der Ausbreitung von Covid-19 in den USA. Sie würden das Risiko vergrößern. In den vergangenen Wochen habe es mindestens zehn Kreuzfahrtschiffe mit Corona-Fällen oder entsprechenden Symptomen gegeben. Derzeit lägen rund 100 Schiffe mit 80.000 Besatzungsmitgliedern in amerikanischen Gewässern und Häfen. 20 Schiffe stünden unter Verdacht, dass sich unter den Crews Corona-infizierte befänden. Jeder Tag Stillstand koste die Industrie umgerechnet 80 Millionen Euro und 300 Jobs in den USA. Zudem bestreitet CLIA ein erhöhtes Corona-Risiko auf Kreuzfahrtschiffen.

Carnival Cruise Line will am 1. August den aufgrund der Corona-Krise zum Erliegen gekommenen Kreuzfahrtbetrieb schrittweise wieder aufnehmen. Den behutsamen Neustart bestreitet die US-Reederei mit zunächst acht ihrer insgesamt 28 Schiffe. Die stufenweise Wiederinbetriebnahme soll sicherstellen, dass alle Hygiene- und Gesundheitsstandards sowie behördliche Vorgaben vollumfänglich umgesetzt werden. Um dies gewährleisten zu können, stehen zunächst ausgewählte Abfahrtshäfen und Zielgebiete im Fokus.

Die Carnival Legend vor der Küste Floridas.
Foto: Reederei

So starten die Kreuzfahrten ausschließlich von den US-Häfen Miami („Carnival Horizon“, „Carnival Magic“, „Carnival Sensation“), Port Canaveral („Carnival Breeze“, „Carnival Elation“) sowie Galveston („Carnival Dream“, „Carnival Freedom“, „Carnival Vista“). Angelaufen werden verschiedene Ziele in der Karibik. Alle weiteren bis einschließlich 31.08.2020 geplanten Kreuzfahrten ab nordamerikanischen Häfen wurden abgesagt. Das gilt auch für alle Reisen mit der „Carnival Spirit“ bis einschließlich 06.10.2020.

Die Corona-Krise trifft auch alle großen US-Reedereien

Die verlängerte temporäre Aussetzung betrifft auch Kreuzfahrten mit Norwegian Cruise Line, Oceania Cruises und Regent Seven Seas Cruises mit Einschiffungsterminen bis zum 30. Juni 2020. Norwegian Cruise Line Holdings Ltd. mit den Marken Norwegian Cruise Line, Oceania Cruises und Regent Seven Seas gab nun die Verlängerung der bereits früher angekündigten freiwilligen Aussetzung aller Kreuzfahrten bekannt.

Diese betrifft Reisen aller drei Kreuzfahrtmarken bis zum 30. Juni 2020. Die verlängerte Aussetzung trägt zu den weltweiten Maßnahmen bei, die Verbreitung von COVID-19 einzudämmen, was auch zu Reisebeschränkungen und weltweiten Hafenschließungen und der Verfügbarkeit von Häfen geführt hat.

„Es liegt in unserer Verantwortung, alle geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung von COVID-19 zu bekämpfen, daher haben wir unsere weltweite Reiseaussetzung bis zum 30. Juni verlängert“, so Frank Del Rio, Präsident und Chief Executive Officer der Norwegian Cruise Line Holdings Ltd.. „Die Gesundheit und Sicherheit unserer Gäste, der Besatzung und der Bewohner der von uns besuchten Destinationen hat für uns oberste Priorität. Wir bedanken uns für das Verständnis unserer Reisepartner und Gäste und schätzen dieses sehr, während wir uns weiterhin an die sich ständig weiterentwickelnde globale Gesundheitsumgebung anpassen.“

Unterdessen hat Norwegian Cruise Line schon neue Routen und Häfen für die Jahre 2021 bis 2023 angekündigt. Mehr als 20 neue Ziele finden sich im Routenplan, wie die Reederei mitteilte. Darunter sind mehrere Häfen in Grönland, Fortaleza und Salvador de Bahia in Brasilien sowie Nagoya, Beppu und Himeji in Japan.

Die "Emerald Princess" verlässt den Hafen von Miami.
Foto: Reederei

Als Reaktion auf die Auswirkungen der Pandemie stornierte Princess Cruises alle Kreuzfahrten bis zum 30. Juni 2020. Auch mit Blick auf die kommende Alaska-Saison hat Princess Cruises Änderungen vorgenommen. So werden die beliebten Cruisetouren, die Alaska-Kreuzfahrten mit entsprechenden Landaufenthalten kombinieren in diesem Sommer nicht angeboten. Durchgeführt werden indes die Alaska-Kreuzfahrten ab/bis Seattle an Bord von „Emerald Princess“ und „Ruby Princess“.

Seabourn verlängert den Kreuzfahrt-Stopp ein weiteres Mal bis zum 30.Juni 2020 als Reaktion auf die weltweiten Auswirkungen der Corona Krise. Betroffen sind alle fünf Schiffe und alle Abfahrten vor und am 30. Juni 2020. Den Gästen, die von der Absage einer Kreuzfahrt betroffen sind, bietet Seabourn eine 125-prozentige Gutschrift in Form eines Future Cruise Credit. Die Neu-Buchung muss bis zum 30. Dezember 2020 erfolgen, die neue Kreuzfahrt kann bis zum 31. Dezember 2021 angetreten werden. Wer das nicht wahrnehmen möchte, bekommt den Reisepreis zu 100 Prozent zurückerstattet.

Kreuzfahrtschiffe müssen nicht immer reisig sein: die "Seabourn Ovation".
Foto: Reederei

Für viele Reedereien fällt die Alaska-Saison komplett aus

Aufgrund der andauernden Hafenschließungen, die nun auch Kanada bis zum 1. Juli 2020 beschlossen hat, sowie der weiteren Reisebeschränkungen weltweit, setzt Holland America Line ihr weltweites Kreuzfahrtangebot bis einschließlich 30. Juni 2020 aus. Dies betrifft auch alle Kreuzfahrten nach Alaska, Kanada/Neu-England und Europa. Für fünf Schiffe der Flotte, die „Maasdam“, „Noordam“, „Oosterdam“, „Volendam“ und „Westerdam“ fällt die Alaska-Saison komplett aus.

Für die betroffenen Passagiere gibt es folgende Optionen: Wer bereits den vollen Reisepreis bezahlt hat bekommt einen Future Cruise Credit in Höhe von 125 Prozent des Basis-Preises (exkl. Steuern und Hafengebühren), plus ein Bordguthaben von 250 US$ pro Person. Die Neubuchung muss innerhalb von 12 Monaten erfolgen, die neue Reise kann bis 31. Dezember 2022 angetreten werden.

Fluss-Kreuzfahrten starten schon wieder ab Pfingsten

Auf Basis der Meldungen einzelner deutscher Bundesländer sowie von Österreich zur Lockerung der herrschenden Beschränkungen, die u.a. die Öffnung von Hotels, Gastronomie, Flusskreuzfahrten und Ausflugsschifffahrt für Touristen bis Ende Mai vorsehen, plant die A-Rosa Flussschiff GmbH ihre Reisen auf Rhein und Donau bis Pfingsten neu zu starten.

Auch für Frankreich und Portugal werden in den nächsten Tagen neue Informationen erwartet, die dann rechtzeitig bekannt gegeben werden.

„Nach dieser langen Zeit der Beschränkungen, die wir alle zum Schutz der Gesellschaft gerne auf uns genommen haben, ist es für uns eine besondere Ehre und ein Vergnügen, wieder Gäste an Bord begrüßen und verwöhnen zu dürfen“, zeigt sich Jörg Eichler, CEO der A-Rosa Flussschiff GmbH, erfreut. „Hierbei sind wir uns unserer Verantwortung natürlich vollumfänglich bewusst, weswegen wir ein Expertenteam aus internen und externen Spezialisten für Hygiene und Gesundheit gegründet haben.“

Flusskreuzfahrten starten an Pfingsten: die "A-rosa Mia" auf der Donau.
Foto: Reederei

Der Flussreiseveranstalter Viva Cruises stellt zusätzlich zum aktuellen Katalog neue viertägige Reisen auf Rhein und Main vor. So geht es an mehreren Terminen im Juli und August mit den Schiffen "Treasures" und "Inspire" auf Kurzreise. Kostenloser Rücktritt ist bis 20 Tage vor Abfahrt möglich, teilt Viva Cruises mit. Der Kurzurlaub "Main Highlights" auf der "Treasures" beginnt und endet in Frankfurt. Die Flussreise von Viva Cruises führt über Wertheim nach Würzburg. Der letzte Stopp ist Miltenberg an der Mainschleife, mit einer sehenswerten Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern.

Von Düsseldorf aus geht es mit der "Inspire" auf der Kreuzfahrt "Erlebnis Rheingau" nach Andernach, Boppard und Mainz. Oestrich-Winkel gehört zu den neueren Häfen, die von Viva Cruises angefahren werden und punktet mit seiner Lage direkt am Rhein, den Weinbergen und seiner Nähe zu Rüdesheim. In Koblenz entdecken Gäste das Deutsche Eck, wo die Mosel in den Rhein fließt. Bevor es also wieder heißt: „Leinen los“, wird noch viel Wasser den Rhein hinunter fließen.