Die „ Roald Amundsen“ liegt in Tromsø fest, die nächste Reise wurde abgesagt. 
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Tromsø/BerlinDer Name klingt nach Abenteuer, nach Entdeckungsreisen und spektakulären Zielen: „Roald Amundsen“ heißt das Kreuzfahrtschiff der norwegischen Reederei Hurtigruten, das nach dem ersten Mann benannt wurde, der die Antarktis durchquerte und den Südpol erreichte. Jetzt steht das von der Reederei als besonders nachhaltig beworbene Schiff mit Hybridtechnologie allerdings nicht wegen spektakulärer Gletscher und Fjorde im Mittelpunkt des Interesses, sondern wegen eines Coronavirus-Ausbruchs unter den Crew-Mitgliedern.

Mittlerweile sei das Virus bei 36 Crew-Mitgliedern nachgewiesen worden, 33 von ihnen kämen aus den Philippinen, sowie jeweils einer aus Deutschland, Frankreich und Norwegen, gab Hurtigruten bekannt. Im Zuge der Corona-Nachverfolgung wurde die Reederei nach eigenen Angaben zudem darauf aufmerksam gemacht, dass das Virus bei einem Passagier bestätigt worden sei, nachdem dieser auf einer vorherigen Tour mit der „Roald Amundsen“ auf Reisen gewesen sei.

Das Expeditionsschiff lag am Sonntag weiter im nordnorwegischen Tromsø vor Anker und wurde isoliert. Passagiere befanden sich nicht mehr an Bord. Wie die Reederei erklärte, wurden mittlerweile alle 158 Besatzungsmitglieder auf Corona getestet, bei 122 von ihnen fielen die Tests negativ aus.

Planmäßig hätte das Schiff am Freitag in Richtung Spitzbergen in See stechen sollen – die Reise wurde jedoch abgesagt, nachdem die ersten Infektionen bei vier Crew-Mitgliedern bekanntgeworden waren. Diese vier Personen kamen in ein Krankenhaus, die restliche Besatzung befindet sich weiter auf dem Schiff. Nach Angaben der Reederei zeige keiner Anzeichen einer Krankheit oder Symptome für eine Covid-19-Erkrankung. 

Der Vorfall hat auch Auswirkungen für jene Passagiere, die auf Touren der „Roald Amundsen“ unterwegs waren, die am 17. und 24. Juli begonnen hatten. All diese Passagiere müssten gemäß der norwegischen Corona-Richtlinien für zehn Tage in Quarantäne. Auf der ersten Tour seien 209 Gäste an Bord gewesen, auf der zweiten 178, hieß es. Zu ihnen allen Kontakt aufzunehmen, stellt die Gesundheitsbehörden vor eine Herausforderung, schließlich sind viele längst wieder zu Hause oder noch anderweitig unterwegs. Wer kontrolliert, ob sie sich in häusliche Isolation begeben?

Der Ausbruch bedeutet einen herben Rückschlag für die ohnehin schon angeschlagene Kreuzfahrtbranche. Am Sonntag verkündete die Reederei Aida Cruises, ihren geplanten Neustart am 5. August zu verschieben. Entgegen der Erwartung stünde die letzte formale Freigabe durch Italien noch aus – die auf den deutschsprachigen Markt ausgerichtete Kreuzfahrtmarke fährt unter italienischer Flagge. Geplant waren ab 5. August Kurzreisen auf der Ostsee ab Hamburg und Warnemünde. 

Für den Neustart seien umfassende Konzepte entwickelt und alle erhöhten Hygienestandards sowie Maßnahmen zum Schutz vor Covid-19 an Bord der Schiffe umgesetzt worden, hieß es. Das Unternehmen gehe davon aus, dass es die letzte formale Freigabe zeitnah erhalten werde. Für den Neustart mit Reisen ohne Landgänge hatte Aida im Juli 750 Besatzungsmitglieder aus Asien mit drei Flugzeugen eingeflogen. Nach der Landung wurden Corona-Tests durchgeführt, dabei stellte man elf Infizierte fest, die in der Folge isoliert wurden. (mit dpa)