Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Die Ursache des Absturzes in der Nähe von Kiew ist noch unklar. Unter den Toten sind neben dem Innenminister auch vier Kinder. Kreml-Chef Wladimir Putin gibt...

dpatopbilder - Die Absturzstelle des Hubschraubers in Browary.
dpatopbilder - Die Absturzstelle des Hubschraubers in Browary.Daniel Cole/AP/dpa

Kiew-Bei einem Hubschrauberabsturz nahe der Hauptstadt Kiew ist nach Polizeiangaben der ukrainische Innenminister Denys Monastyrskyj ums Leben gekommen. Bei dem Unglück habe es mindestens 14 Tote gegeben, teilte der Zivilschutz mit. Zwischenzeitlich war von 18 Toten die Rede. Der russische Präsident Wladimir Putin zeigte sich bei dem Besuch eines Rüstungskonzerns siegessicher. Die Diskussion um die Lieferung von Leopard-2-Panzern aus deutscher Produktion an die Ukraine nimmt weiter Fahrt auf. Die Nato befürchtet unterdessen ein schwieriges Jahr.

Der russische Präsident Wladimir Putin legt zum Gedenken an den 80. Jahrestag des Durchbruchs der Leningrader Blockade auf dem Piskarjowskoje-Friedhof in St. Petersburg Blumen nieder.   Kremlin/AP/dpa
Der russische Präsident Wladimir Putin legt zum Gedenken an den 80. Jahrestag des Durchbruchs der Leningrader Blockade auf dem Piskarjowskoje-Friedhof in St. Petersburg Blumen nieder. Kremlin/AP/dpaMikhail Klimentyev/Pool Sputnik

Hubschrauber stürzte bei Kindergarten in Kleinstadt Browary ab

Unter den Toten des Hubschrauberabsturzes seien auch der Vize-Innenminister Jehwhenij Jenin und ein Staatssekretär, teilten die ukrainischen Behörden mit. Der Helikopter war demnach in einem Wohngebiet bei einem Kindergarten in der Kleinstadt Browary bei Kiew abgestürzt. Nach Angaben des Innenministeriums starben auch vier Kinder. Die Absturzursache ist noch unklar. Der Hubschrauber-Typ gilt als nicht besonders zuverlässig. Auch ein Abschuss des Helikopters wurde nicht ausgeschlossen. Aus dem Präsidentenbüro hieß es, die Führungsriege des Innenministeriums sei auf dem Weg zu einem der Frontabschnitte gewesen.

EU, Scholz und Biden reagieren bestürzt auf Absturz

Die EU-Spitzen haben bestürzt auf den Tod des ukrainischen Innenministers und der anderen Opfer bei dem Hubschrauberabsturz reagiert. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach den Familien der Opfer, Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie der gesamten Ukraine ihr tiefes Beileid aus. „Wir trauern mit Ihnen“, schrieb die Deutsche auf Twitter. Bundeskanzler Olaf Scholz zeigte sich erschüttert. „Der Hubschrauberabsturz in #Brovary zeigt erneut den immensen Tribut, den die #Ukraine in diesem Krieg zahlt“, schrieb Scholz auf Twitter.

US-Präsident Joe Biden würdigte Monastyrskyj als „Reformer und Patriot“, der sich für den Willen des ukrainischen Volkes eingesetzt habe.

Putin zuversichtlich: „Sieg ist unausweichlich“

Putin erklärte in St. Petersburg bei einem Treffen mit handverlesenen Arbeitern in einem Werk des Konzerns Almas-Antej, dass Russlands Raketenbauer heute etwa so viel produzierten wie alle Länder der Welt zusammen. „Zum Beispiel stellen wir drei Mal so viele Flugabwehrraketen pro Jahr her wie die USA.“ Daher sei der Sieg Russlands am Ende „unausweichlich“, meinte Putin. „Ich habe daran keinen Zweifel.“ Er stellte ein Gesetz in Aussicht, mit dem Werktätige der Rüstungsbranche vom Kriegsdienst ausgenommen werden.

Nato rechnet nicht mit baldigem Kriegsende

Die Nato rechnet nicht mit einem baldigen Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. „Putin bereitet sich auf einen langen Krieg vor“, sagte der stellvertretende Generalsekretär Mircea Geoană zum Auftakt einer zweitägigen Sitzung des Militärausschusses des westlichen Verteidigungsbündnisses. Putin habe bereits mehr als 200.000 zusätzliche Soldaten mobilisiert, steigere die Rüstungsproduktion und besorge sich auch weitere Waffen von autoritären Regimen wie dem Iran. „Wir müssen auf einen langen Weg vorbereitet sein“, sagte Geoană. „2023 wird ein schwieriges Jahr und wir müssen die Ukraine solange es nötig ist unterstützen.“

Britischer Geheimdienst sieht Probleme für Ukraine bei Bachmut

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste stellt die russische Einnahme der ukrainischen Stadt Soledar für die Ukraine auch Probleme bei der Versorgung der größeren Stadt Bachmut dar. Eine von zwei Hauptversorgungsrouten gerate zunehmend unter Druck, hieß es im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums. Die ukrainischen Streitkräfte hätten mutmaßlich weiter im Westen eine neue Verteidigungslinie aufgebaut, hieß es von den Briten. In den Randgebieten von Bachmut sei die Ukraine mutmaßlich weiterhin damit beschäftigt, die Stadt gegen kontinuierliche russische Angriffe zu verteidigen.

Bewegung in Debatte um Lieferung von Leopard-Kampfpanzern

Kanzler Scholz ist nach übereinstimmenden Medienberichten bereit, die Lieferung von Leopard-Kampfpanzern an die Ukraine zu erlauben - allerdings nur unter Bedingungen. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ stellte Scholz in einem Telefonat mit US-Präsident Joe Biden klar, dass Deutschland nur liefern könne, wenn die USA ihrerseits der Ukraine Kampfpanzer vom Typ Abrams zur Verfügung stellen. Biden habe sich in dem Gespräch am Dienstag offenbar noch nicht festgelegt.

Bei einer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos am Nachmittag hatte Scholz unterdessen weiter offengelassen, ob er den Weg für die Lieferung von Leopard-2-Kampfpanzern in die Ukraine freimachen will. Er verwies erneut darauf, dass Deutschland bereits jetzt zusammen mit Großbritannien und nach den USA zu den größten Waffenlieferanten der von Russland angegriffenen Ukraine zähle. „Wir werden weiter ein so großer Unterstützer bleiben“, versprach er.

Medien: USA wollen Munition aus Israel in die Ukraine verlagern

Das US-Verteidigungsministerium will einem Medienbericht zufolge in Israel gelagerte Munition der Ukraine übergeben. Wie die „New York Times“ berichtet, bereitet sich das Pentagon derzeit auf den Waffentransfer an das von Russland angegriffene Land vor. Etwa die Hälfte der für die Ukraine bestimmten 300.000 Artilleriegeschosse sei demnach bereits nach Europa verschifft worden. Ein Sprecher des israelischen Militärs bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass in Israel gelagerte Ausrüstung vor einigen Wochen auf Bitte der USA den US-Streitkräften übergeben wurde.