Syrien ist gegenwärtig der gefährlichste Konflikt der Welt. Sieben Jahre wird nun schon gekämpft, und kein Ende des Blutbades ist in Sicht. Die Lage in dem Bürgerkriegsland gerät mehr und mehr außer Kontrolle – mit unabsehbaren Folgen für seine Bewohner, für die Nahost-Region und für das Machtgefüge des Globus. Nicht nur der Konflikt zwischen Israel und Iran kocht. Auch USA und Russland könnten offen aneinandergeraten, während das Assad-Regime die eigene Bevölkerung weiter massakriert. Wir dokumentieren die fünf wichtigsten Schlachtfelder.

Assad-Regime gegen Opposition

Die schlimmsten Bilder kommen derzeit aus Ost-Ghuta. Seit Tagen und Wochen wird die Rebellen-Enklave rund um die Uhr bombardiert. Allein in dieser Woche kamen bereits mehr als 300 Frauen, Männer und Kinder ums Leben. Zehntausende der 400 000 Eingeschlossenen hungern. Derzeit zieht Bashar al-Assad rund um Ost-Ghuta die Elitetruppen der Tiger-Division zusammen, die das gesamte Gebiet zurückerobern sollen. Denn der Diktator lässt keine Zweifel daran, dass er alle Gegner für Terroristen hält und „jeden Zentimeter“ des syrischen Territoriums wieder unter seine Kontrolle bringen will, nicht nur Ost-Ghuta, auch die Rebellen-Enklave Idlib im Norden.

USA gegen Russland und Assad

Nach den Siegen in Rakka und Deir ez-Zor tobt der Feldzug gegen die Reste des Islamischen Staates nun am syrischen Unterlauf des Euphrat. Entlang des östlichen Ufers rücken die arabisch-kurdischen Einheiten der Syrisch Demokratischen Front (SDF) vor, die von den USA aus der Luft unterstützt werden. Parallel dazu operieren am westlichen Ufer syrische Truppen zusammen mit iranisch-irakischen Milizen und russischen Söldnern. Am 7. Februar kam es zwischen beiden Seiten zu einem Zwischenfall. Nachdem die Assad-Seite die US-geführten SDF-Einheiten mit Panzern angegriffen hatten, wurde sie durch amerikanische Hubschrauber unter Feuer genommen. Mindestens 200 Soldaten kamen ums Leben, darunter Dutzende russische Söldner. Ein solches US-Massaker an Russen könnte leicht in einer direkten Konfrontation zwischen den USA und Russland münden. Washington ist in Syrien derzeit mit 2 000 Soldaten vor Ort.

Türkei gegen Kurden

Am 20. Januar gab Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den Marschbefehl. Die türkische Armee überquerte die Grenze zu Syrien und marschierte in die kurdische Enklave Afrin ein. Der Türkei geht es darum, die Volksverteidigungseinheiten der YPG aus dem Grenzgebiet zu vertreiben, die sie wegen ihrer engen Verbindungen zur PKK für eine Terrororganisation hält. YPG-Einheiten jedoch bilden gleichzeitig auch das Rückgrat der US-geführten Bodentruppen im Kampf gegen den IS. Am Dienstag kündigte Erdogan an, seine Armee werde in den kommenden Tagen Afrin direkt angreifen und abriegeln.

Assad gegen Türkei

Die bedrängten YPG-Kurden von Afrin riefen die syrische Regierung zu Hilfe, weil die USA ihnen in diesem Konflikt mit Ankara die Unterstützung verweigert und Russland sich demonstrativ abseits hält. Seit Dienstagmittag rücken Assads Milizen in die Enklave und ihre Hauptstadt Afrin vor, empfangen von türkischen Artilleriesalven. Diese syrischen „Volkseinheiten“ sollen die Türken vertreiben und entlang der Grenze Position beziehen, was eine direkte Konfrontation zwischen Damaskus und Ankara praktisch unausweichlich macht.

Israel gegen Iran und Hisbollah

Zwar tat Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif den Auftritt von Benjamin Netanjahu auf der Münchner Sicherheitskonferenz als Zirkus ab. Doch der Krieg der Worte eskaliert. Denn Israels Regierungschef ließ keinen Zweifel, sein Land werde es nicht hinnehmen, dass der Iran eine „dauerhafte militärische Präsenz in Syrien“ etabliere. Etwa 3 000 Mann der Revolutionsgarde hat Teheran derzeit auf syrischem Boden. Hinzu kommen rund 10 000 von Teheran rekrutierte und bezahlte Milizionäre. „Testen Sie nicht unsere Entschlossenheit“, wandte sich Netanjahu an die Adresse der iranischen Delegation und fügte hinzu, Israel werde, wenn nötig, nicht nur die Stellvertreter des Iran bekämpfen, sondern auch den Iran selbst angreifen.