Kultur

„Kriegstüchtig“: Wie Tagesschau und andere Medien die Gesellschaft auf Kriegskurs bringen

„Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind – besonders die, die nicht hineingehen müssen, die nicht ganz vorne stehen.“ Ein Kommentar.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius zu Besuch beim Panzerbataillon 203 in Augustdorf.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius zu Besuch beim Panzerbataillon 203 in Augustdorf.www.imago-images.de

In der aktuellen Phase von „Kriegsertüchtigung“ scheinen die Reihen zwischen Regierenden, Militär und Medien noch enger geschlossen zu werden, um Tempo und Intensität der Militarisierung hierzulande weiter zu befeuern – und sich dabei gegenseitig anzufeuern.

Der amtierende (und wahrscheinlich ja auch „neue“) Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wird im meistgenutzten deutschen Nachrichtenmedium, der ARD-„Tagesschau“ zitiert, bei seiner Ankündigung einer nächsten deutschen Waffenlieferung an die ukrainische Armee: „Wir stehen am Beginn einer neuen Epoche, und wir werden uns in den kommenden Jahren bewähren müssen (…). Es hängt davon ab, ob es uns gelingt, abschreckungs- und verteidigungsfähig zu werden – und das geschlossen und in entsprechend kurzer Zeit.“

Wenn Medien, zumal Leitmedien, ihre öffentliche Aufgabe der Kontrolle und Kritik der Mächtigen ernst nähmen, müsste hier journalistisch nachgefragt werden: Denn solche Äußerungen sollen offenbar für eine gewisse Stimmung sorgen (Angst, Feindbild, Schuld), sind zugleich aber zumindest widersprüchlich: Wenn Deutschland nicht schon längst und in beträchtlichem Maße „abschreckungs- und verteidigungsfähig“ wäre und wenn zugleich Putin so aggressiv wäre wie von vielen Verantwortlichen hierzulande in Politik, Militär und Medien behauptet – warum geschieht ein entsprechender Angriff gegen Nato-Gebiet, gegen Deutschland dann nicht längst? Und wenn die Aggression jetzt nicht passiert – warum sollte sie dann später erfolgen, wenn doch Deutschland dann „kriegstüchtiger“ wäre als heute?

Berliner Zeitung

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