In der aktuellen Phase von „Kriegsertüchtigung“ scheinen die Reihen zwischen Regierenden, Militär und Medien noch enger geschlossen zu werden, um Tempo und Intensität der Militarisierung hierzulande weiter zu befeuern – und sich dabei gegenseitig anzufeuern.
Der amtierende (und wahrscheinlich ja auch „neue“) Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wird im meistgenutzten deutschen Nachrichtenmedium, der ARD-„Tagesschau“ zitiert, bei seiner Ankündigung einer nächsten deutschen Waffenlieferung an die ukrainische Armee: „Wir stehen am Beginn einer neuen Epoche, und wir werden uns in den kommenden Jahren bewähren müssen (…). Es hängt davon ab, ob es uns gelingt, abschreckungs- und verteidigungsfähig zu werden – und das geschlossen und in entsprechend kurzer Zeit.“
Wenn Medien, zumal Leitmedien, ihre öffentliche Aufgabe der Kontrolle und Kritik der Mächtigen ernst nähmen, müsste hier journalistisch nachgefragt werden: Denn solche Äußerungen sollen offenbar für eine gewisse Stimmung sorgen (Angst, Feindbild, Schuld), sind zugleich aber zumindest widersprüchlich: Wenn Deutschland nicht schon längst und in beträchtlichem Maße „abschreckungs- und verteidigungsfähig“ wäre und wenn zugleich Putin so aggressiv wäre wie von vielen Verantwortlichen hierzulande in Politik, Militär und Medien behauptet – warum geschieht ein entsprechender Angriff gegen Nato-Gebiet, gegen Deutschland dann nicht längst? Und wenn die Aggression jetzt nicht passiert – warum sollte sie dann später erfolgen, wenn doch Deutschland dann „kriegstüchtiger“ wäre als heute?

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