Die Außenminister Çavuşoğlu und Lawrow. 
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München/AnkaraAußenminister Mevlüt Çavuşoğlu wird am Sonntag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in München treffen, berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax am Freitag. Die beiden Minister werden voraussichtlich die jüngste Situation in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens erörtern.

Lawrow hat am Freitag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz ein kurzes Treffen mit dem US-Außenminister Mike Pompeo abgehalten, meldet die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf eine Quelle aus der russischen Delegation.

Bei den Treffen dürfte ebenfalls die Lage in Idlib erörtert worden sein. In Idlib halten sich noch zahlreiche ausländische und internationale Milizionäre auf. Russland und die Türkei hatten vereinbart, dass die Kämpfer innerhalb der vereinbarten Sicherheitszonen entwaffnet werden müssen. Für die Entwaffnung der Kämpfer in Idlib ist dem Abkommen zufolge die Türkei zuständig.

Nach den jüngsten Kampfhandlungen zwischen türkischen Einheiten und der Syrischen Armee scheint Ankara nun den Druck auf die Kämpfer zu erhöhen.

Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar drohte laut der Zeitung Daily Sabah am Donnerstag mit militärischen Maßnahmen gegen „Radikale“ in der Provinz Idlib, nachdem Russland Ankara beschuldigt hatte, radikale Gruppen nicht wie im Rahmen des Abkommens von 2018 vereinbart, „neutralisiert“ zu haben.

„In Idlib wird Gewalt gegen diejenigen angewendet, die sich nicht an den Waffenstillstand halten, einschließlich der Radikalen“, wurde Akar von der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zitiert. Demnach werde jede notwendige Maßnahme gegen die Kämpfer ergriffen, sollten sich diese ihrer Entwaffnung widersetzen.

Unterdessen sprach der türkische Stabschef General Yaşar Güler am Donnerstag telefonisch mit seinem russischen Amtskollegen General Valery Gerasimov über die Situation in Idlib, teilten die türkischen Stellen auf Twitter mit.

Der US-Sonderbeauftragte für Syrien, James Jeffrey, sagte, Washington unterstütze die „legitimen“ Interessen der Türkei in Syrien und insbesondere in Idlib.

„Unsere Aufgabe ist es, (Russland, den Iran und Syrien) davon zu überzeugen, dass sie keinen militärischen Sieg erringen werden“, sagte Jeffrey in Kommentaren, die einen Tag nach seinem Treffen mit türkischen Beamten in Ankara auf dem offiziellen Twitter-Account der Botschaft veröffentlicht wurden.

Trotz der Spannungen zwischen Russland und der Türkei erwartet die US-Regierung nicht, dass sich die Türkei aus dem Raketendeal mit Russland verabschieden wird. Die Türkei hatte zur Verärgerung Washingtons im Juli 2019 beschlossen, russische S-400-Raketen zu kaufen. Die US-Regierung schloss die Türkei daraufhin von der Ausbildung an US-Kampfjets aus und drohte der Türkei mit Sanktionen.

Die Spannungen zwischen der Türkei und Russland über die eskalierende syrische Offensive in Idlib scheinen die türkischen Pläne zum Einsatz russischer Raketenabwehrsysteme allerdings nicht erschüttert zu haben, sagte ein hochrangiger, anonymer US-Beamter der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag.

Der Beamte sagte nach Gesprächen in der Türkei, Russlands „destruktive Rolle“ habe Auswirkungen auf die türkische Regierung, habe aber nicht zu einer Änderung der Politik in Bezug auf die S-400 geführt.

„Ich habe nicht gesehen, dass dies zu einem Umdenken der Position der Türkei in Bezug auf die S-400 führt. Ich gehe davon aus, dass der Kurs der Türkei in dieser Hinsicht festgelegt ist", sagte der Beamte.