Die Zahl der Anhänger populistischer Thesen ist seit 2018 gesunken.
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Berlin - Die demokratische Mitte ist stärker als viele glauben. Nach der neuesten Bertelsmann-Studie tritt der Populismus den Rückzug an. Nur noch 20 Prozent der Wähler glauben derartige Thesen. An sich ist das ein positives Ergebnis für unsere Demokratie, auch wenn es nach den jüngsten Ereignissen eher verwundert. Über das Flüchtlingsthema, eines der strittigsten der vergangenen Jahre – wird kaum noch gestritten. In der Corona-Krise erklärte die Regierung ihr Handeln viel besser als vor fünf Jahren. Und schon reagieren die Menschen vernünftiger. Wenn die Politik handelt, nicht nur den Ereignissen hinterherläuft, sind die Menschen eher geneigt, sich auch unbequemen Fakten zu stellen.

Die Studie zeigt, dass mancherlei Wahrnehmung nicht mit der Realität übereinstimmt. Populismus ist eine Frage der Bilder. Wenn fünf Tage lang auf Twitter immer wieder die Reichsflaggen vor dem Reichstag zu sehen sind, heißt das nicht, dass ganz Deutschland das gut findet. Es ist auch eine Frage der überstrapazierten Begriffe. Wenn Linkspopulisten alle Gegner als Nazis diffamieren, sind sie gewiss auch in den Twitter-Trends. Die lautesten Stimmen werden am ehesten gehört, auch wenn sie die Ansicht von 80 Prozent der Bevölkerung nicht widerspiegeln.

Doch populistische Politik ist nicht grundlos erfolgreich. Es gibt immer einen Auslöser. Die Empfehlung der Studie „weniger ausschließende Arroganz und kosmopolitische Überheblichkeit“ ist eindeutig. Im Dialog viele anzusprechen, kann mehr Menschen in die demokratische Mitte zurückholen als hypermoralisierende Haltung. 

Dennoch ist Populismus nicht per se zu verurteilen. Wenn das Volk auf sein Mitspracherecht besteht, trägt das zur funktionierenden Demokratie bei. Und was einst als Anti-Establishment-Bewegung ihren Anfang nahm, kann frischen Wind in die Institutionen bringen.