Die Buschfeuer in Australien haben landesweit mittlerweile auf einer Fläche von mehr als sechs Millionen Hektar gewütet.
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AustralienZerstörte Häuser, Existenzen, Wälder, der Tod Dutzender Menschen, einer halben Milliarde Tiere und ganzer Ökosysteme – die Buschfeuer in Australien haben seit Oktober landesweit auf mehr als sechs Millionen Hektar gewütet, einer Fläche größer als die Niederlande.

Am Wochenende stieg die Zahl der Toten auf 24, ganze Landstriche brannten nieder. In der Hauptstadt Canberra schlossen wegen des Rauchs und der Luftverschmutzung Läden und öffentliche Einrichtungen. Die Schutzmasken wurden knapp. Wie groß die Schäden sind, ist noch nicht abzusehen. Nach der extremen Hitze und den starken Winden vom Sonnabend gebe es Berichte, dass Hunderte weitere Grundstücke und Häuser den Bränden zum Opfer gefallen seien, sagte der regionale Feuerwehrchef Shane Fitzsimmons am Sonntag.

Morrisons Hawaii-Reise und Cricket-Spaß

Und was macht Regierungschef Scott Morrison, der vor Weihnachten wegen seiner unangekündigten Ferienreise nach Hawaii heftige Kritik kassierte, vorzeitig zurückkehrte und sich doch nur halbherzig dafür entschuldigte? Er empfing in seiner Zweitresidenz, dem Kirribilli House, in Sydney an Neujahr die Cricket-Mannschaften Australiens und Neuseelands, die am Freitag zu einem Fünf-Tage-Match antraten, stellte sich zu einem Gruppenfoto strahlend zu ihnen und sagte allen Ernstes: „Die Buschfeuer-Krise spielt sich vor dem Hintergrund des Crickets ab.“

Schon im November hatte der Premierminister auf Twitter die frohe Botschaft gepostet, „unsere Jungs“ (damals gegen Pakistan) würden „den Feuerwehrleuten und den betroffenen Gemeinden etwas geben, worüber sie jubeln können“. Kurze Zeit später verschwand er nach Hawaii, „weil ich es meinen beiden Töchtern versprochen hatte“.

Die Cricket-Stars zeigten beim Neujahrsempfang wesentlich mehr Sinn für die Gefühle der Menschen, die der Tragödie fassungslos gegenüberstehen. Australiens Kapitän Tim Payne bedankte sich im Namen des Teams „bei den mutigen Männern und Frauen, die diese Feuer im ganzen Land bekämpfen; sie sind die wahren Helden des australischen Sommers“.

Ein politischer Albtraum

Morrison aber wird täglich untragbarer mit seinen Wischi-Waschi-Aussagen zum Klimawandel und dessen Einfluss auf die Buschfeuer, die eben nicht mehr ganz normal sind, sondern aufgrund der anhaltenden Dürre immer früher beginnen, länger dauern und verheerendere Auswirkungen haben.

Premierminister Scott Morrison leugnet den Zusammenhang zwischen den Feuern und einer Klimakatastrophe.
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Die Buschfeuer sind für den 51-Jährigen, der seit 30 Jahren mit seiner Jugendliebe Jenny verheiratet und Mitglied einer Megakirche der Pfingstbewegung ist, ein politischer Albtraum geworden, auch wenn er wie die meisten seiner Vorgänger zu fast nichts eine dezidierte Meinung hat. Die Episoden mit Hawaii und dem Cricket sind für seine Kritiker Beweis dafür, wie abgehoben und realitätsfremd der Premier ist, der zum Verdruss vieler Australier – vielleicht auch aus pragmatischen Überlegungen heraus – US-Präsident Donald Trump hofiert und in Krisenzeiten wie Trump nicht das Richtige tut und sagt.

Mehr Verständnis aus England

Den um ihr Leben bangenden Menschen im südlichen New South Wales und in Victoria, inklusive jener, die vor dem rotglühenden Inferno am Strand von Mallacoota ausharrten, um notfalls ins Wasser springen zu können, sagte Morrison, sie müssten Geduld haben. „Das ist eine Naturkatastrophe“, sagte er, und auf die reagiere man am besten „mit methodischen, gut koordinierten Maßnahmen“. Bloß keine Hektik!  

Hingegen zeigte sich Königin Elizabeth, qua Verfassung Staatsoberhaupt des Landes, entsetzt: „Ich bin zutiefst betroffen über die Berichte von den anhaltenden Buschbränden und ihren zerstörerischen Folgen in vielen Teilen Australiens.“ Prinz Harry und seine Frau Meghan drückten bei Instagram ihr Mitgefühl aus und warben um Spenden. Sie sehen die Katastrophe im globalen Umweltkontext: Neben dem Bild eines Koalas im Arm eines Feuerwehrmannes verwiesen sie auf andere Brände, wie in Kalifornien und in Afrika, sowie auf die Zerstörung des Amazonas.

Von Australiern beschimpft

Anders Premierminister Morrison: Die Quittung für sein Verhalten bekam der Premierminister bei einem Besuch im Katastrophenort Cobargo in New South Wales am Freitag. Bewohner beschimpften ihn als Idiot und Mistkerl und forderten ihn auf: „Hau ab!“

Immerhin hat der Regierungschef, der zwar Vorsitzender der Liberalen, aber erzkonservativ ist, in der Zwischenzeit zwei Marineschiffe losgeschickt, um Menschen zu evakuieren, und Soldaten zur Unterstützung der Feuerwehren in die Krisengebiete geschickt. Aber Führungsqualitäten sind das nicht.

Premierminister leugnet Bezug zu Klimakatastrophe

„Was immer auch unsere Prüfungen sind, welche Katastrophen uns auch befallen haben, wir sind nie in Panik ausgebrochen“, schrieb er in einer Neujahrsbotschaft, „und wir werden das im Angesicht der gegenwärtigen Feuerkrise jetzt auch nicht tun.“ Generationen von Australiern bis hin zu den „Ersten Australiern“ – den Aborigines – hätten auch Naturkatastrophen erlebt, Fluten, Feuer, globale Konflikte, Krankheiten und Dürren, und sie hätten wirtschaftliche Not gelitten, „die heutige Generationen niemals erlebt haben“.

Das heißt übersetzt: Es gibt keinen Klimawandel, alles ist wie schon seit Jahrtausenden, alles ganz normal, kein Grund zur Panik, wir haben das im Griff, weil es schon immer so war. Deshalb fliegt er nach Hawaii und hampelt mit den Cricket-Assen herum, wenn Australien brennt.