Berlin - Entgegen früherer Pläne will die griechische Regierung Flüchtlinge nicht länger auf den Inseln festhalten. „Wir werden in Kürze damit beginnen, eine große Zahl Migranten auf das Festland zu bringen, um die Inseln in der Ost-Ägäis zu entlasten“, sagte der griechische Europaminister Nikos Xydakis der Zeitung „Die Welt“. „Das wird sehr gut organisiert sein und auf legale Weise durchgeführt werden.“

Die Namen und die Bedürfnisse der Betroffenen seien den Behörden bekannt. Die Flüchtlinge würden „in bewachten Räumlichkeiten“ untergebracht, sagte Xydakis. Das im März geschlossene Flüchtlingsabkommen zwischen der Türkei und der EU sieht vor, dass die Flüchtlinge möglichst auf den griechischen Inseln bleiben sollen, damit sie an einer Weiterreise gehindert werden.

Kritik an EU-Staaten

Gleichzeitig machte der Minister die EU-Staaten für die Gewalt in den Flüchtlingslagern auf den Inseln mitverantwortlich. „Die Brände und Unruhen in einigen Flüchtlingscamps auf den Inseln sind in gewisser Weise auch die Folge einer fehlenden Umverteilung von Flüchtlingen auf alle Mitgliedstaaten und der mangelnden Unterstützung durch die EU-Länder“, sagte Xydakis.

„Es könnten im Moment 7000 Flüchtlinge sofort aus Griechenland auf andere EU-Staaten umverteilt werden, alle Formalitäten dafür sind erfüllt“, fügte der Minister hinzu. Aber das passiere nicht. Seit September 2015 seien nur rund 3500 der vereinbarten 65.000 Flüchtlinge auf andere europäische Länder verteilt worden. „Das ist viel zu wenig“, sagte Xydakis.

Der Minister betonte zudem, dass Griechenland aus EU-Ländern wie Deutschland keine Flüchtlinge zurücknehmen werde, so wie es Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gefordert hatte. Es sei „nicht realistisch, auf eine Durchsetzung der Dublin-Verordnung zu bestehen und Flüchtlinge aus anderen Ländern wieder nach Griechenland abzuschieben. Das würde mein Land überfordern“, sagte Xydakis. Es gebe bereits 60.000 Flüchtlinge in Griechenland, sagte der Minister zur Begründung. „Wenn andere EU-Länder Menschen, die in Griechenland angelandet sind, wieder zu uns schicken, dann hätten wir bald eine oder zwei Millionen Flüchtlinge.“ (afp)