Vor dem Reichstag steht die Säule, in die Asche von Auschwitzopfern eingegossen worden sein soll.
Foto: dpa/Christophe Gateau

BerlinDie vom Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) zwischen Reichstag und Bundeskanzleramt inszenierte Kunstaktion, zu der ein Bohrkern aus einem nationalsozialistischem KZ in eine Gedenkstele eingelassen worden sein soll, ist auf heftige Kritik gestoßen.

In einer Pressemitteilung der Jewish Claims Conference vom Montag heißt es: „Auschwitz-Überlebende sind bestürzt darüber, dass mit diesem Mahnmal ihre Empfindungen und die ewige Totenruhe ihrer ermordeten Angehörigen verletzt werden. Die Vorstellung, dass die Asche ihrer ermordeten Familienmitglieder zu Demonstrationen durch Europa transportiert wird, ist für sie nur schwer erträglich. Auch wenn sie die politische Absicht der Initiatoren verstehen und respektieren, halten sie diese Art der Demonstration für pietätlos.“ Ähnlich sieht es laut Jüdischer Allgemeine (Online-Ausgabe) auch der Zentralrat der Juden: In einem Tweet von Dienstag heißt es: „Die jüngste Aktion von @politicalbeauty ist aus jüdischer Sicht problematisch, weil sie gegen das jüdische Religionsgesetz der Totenruhe verstößt.“

Der Grünen-Politiker Volker Beck will es nicht bei Mutmaßungen belassen und hat laut eigener Aussage, ebenfalls per Twitter, Strafanzeige gegen das ZPS gestellt. „Falls es sich tatsächlich um die Asche von in der Schoa Ermordeten handeln sollte, wäre dies eine strafbare Verletzung der Totenruhe. (Paragraf 168 StGB). Dies behaupten die Aktivisten vom Zentrum für Politische Schönheit (ZPS). Es könnte freilich auch Fake & Teil der geschmack- und respektlosen Kunstaktion sein. Dies kann nur durch Ermittlungen geprüft werden. Ich habe beim Staatsschutz Strafanzeige erstattet.“

Herkunft der Asche sorgt für Diskussionen

In einem ausführlichen Bericht über die Erd- und Bohrarbeiten rund um die Gedenkstätte Auschwitz, der am Dienstag auf der ZPS-Internetseite www.sucht-uns.de veröffentlicht wurde, heißt es in einem Fragen-und-Antworten-Block zur Kunstaktion des ZPS: „In den Zeitungen steht überall, Ihr hättet Asche aus Auschwitz in der Gedenksäule. Stimmt das?“ Die Antwort: „Nein. Das haben wir an keiner Stelle in unseren Verlautbarungen behauptet.“

Zu der Frage, woher die Asche komme, schreiben die Aktivisten uneindeutig: „Wir haben Tausende historischer Quellen ausgewertet und sind den Spuren gefolgt: nach Nordhausen, Sobibór, Majdanek, Chelmno, Mauthausen, Belzec, Treblinka, Berdychiv, Plyskiv. Die Asche der Ermordeten wurde in Dämmen verbaut, auf Feldern verscharrt und in Flüsse gekippt. Wir haben uns die Mühe gemacht, die wissenschaftlichen Recherchen zu den ‚Wegen der Asche’ im Vorfeld allein für Auschwitz einmal exemplarisch aufzubereiten.“

Im Zusammenhang mit dem Gedenkprojekt „Sucht nach uns“ hat das ZPS am Dienstag unterdessen die nächste Zündstufe seiner Aktion gestartet. In einer Pressemitteilung behauptete das ZPS, den Grabstein des früheren Reichskanzlers Franz von Papen aus dem Familiengrab in Wallerfangen (Saarland) entführt zu haben. „Franz von Papen ist in unserer Gewalt“, heißt es in der Mitteilung. Die Polizei in Saarlouis teilte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit, dass der Grabstein tatsächlich fehle und sie voraussichtlich wegen des Verdachts auf Diebstahl und Störung der Totenruhe ermitteln werde. Lokale Medien veröffentlichten ein Bild des Grabes. Nach RND-Informationen ist der Grabstein schon vor mehreren Wochen entwendet worden.