Zoran Milanovic ist neuer Präsident Kroatiens.
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BerlinDer Fußballtrainer Jürgen Klopp sorgte einst in England mit der Selbsteinschätzung für Schlagzeilen, er sei „the normal one“ – ein Normalo. Dem künftigen kroatischen Präsidenten Zoran Milanovic würden seine Landsleute so einen Satz kaum durchgehen lassen.

Schließlich galt der Sozialdemokrat, der am Sonntag in einer Stichwahl die konservative Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarovic mit 53 Prozent der Stimmen besiegte, lange als Inbegriff eines Politkarrieristen. Und doch war eine kroatische Version von Klopps Normalo-Spruch womöglich der Schlüssel zum Triumph für Milanovic.

Viele Worte, nur wenig dahinter

Der 53-Jährige setzte im Wahlkampf auf Bescheidenheit in den politischen Zielen und sozialdemokratische Tugenden. Er wolle keine hehren Versprechen machen, betonte der zweifache Familienvater immer wieder. Vielmehr werde er bei einem Sieg „hart arbeiten“, für das Wohl des Landes und seiner Menschen.

Das kam gut an bei den Kroaten, die seit dem Ende der Jugoslawien-Kriege in den Neunzigern von ihren führenden Politikern stets große Worte vom kommenden Aufstieg der Nation zu hören bekommen haben, ohne dass sich die düstere soziale Realität gewandelt hätte.

Auch Milanovic gehörte einst zu den Vielversprechern. Zwischen 2011 und 2016 regierte er als jüngster Ministerpräsident in der Geschichte des Landes und führte Kroatien 2013 in die EU. Doch nach dem Beitritt wurde längst nicht alles auf einen Schlag besser, wie er es in Aussicht gestellt hatte. Vor allem die Abwanderung gut ausgebildeter Menschen in den Westen verstärkte sich noch.

Wird er zum Motor der Nation?

Genau das will der Jurist Milanovic nun ändern, obwohl der Präsident in Kroatien nur über repräsentative Aufgaben verfügt. Aber so wie Klopp als Motivationsguru gilt, so könnte auch Milanovic durch Reden zum Versöhner und Motor der Nation werden. „Wenn mein Sieg etwas Glauben und eine bessere Stimmung in unsere Gesellschaft gebracht hat, bin ich ein glücklicher Mann“, sagte er am Wahlabend und verbat sich alle Pfiffe gegen seine unterlegene Kontrahentin.