Seit 2017 wurde der aufmüpfige Künstler bereits Dutzende Male verhaftet, berichtet die internationale Schriftstellerorganisation PEN, die seine Freilassung fordert.
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BerlinAls die Freundin das Handy zückte, flogen die Fäuste. Niemand sollte sehen, wie Luis Manuel Otero Alcantara festgenommen wurde. Vor ein paar Tagen hatte der kubanische Aktionskünstler nach Angaben des regierungskritischen Portals „14ymedio“ gemeinsam mit Aktivistinnen und Aktivisten der LGTBIQ-Gemeinde versucht, an einem „Knutsch-Protest“ gegen die Zensur einer Kussszene zweier homosexueller Männer teilzunehmen. Der Film wurde im kubanischen Staatsfernsehen ausgestrahlt.

Doch der 32-Jährige kam nicht weit, der Sicherheitsapparat war schneller. Wieder einmal. Seit 2017 wurde der aufmüpfige Künstler bereits Dutzende Male verhaftet, berichtet die internationale Schriftstellerorganisation PEN, die seine Freilassung fordert.

Otero Alcantara provoziert die Mächtigen immer wieder mit künstlerischen Aktionen für eine demokratische Öffnung des Ein-Parteien-Systems. Inzwischen sitzt er in Untersuchungshaft. An diesem Mittwoch soll ein Gericht entscheiden, wie es mit ihm weitergeht.

Kreative: „Strategie der Terror und Angst“

Eines seiner Vergehen war die öffentliche Forderung, die Nationalflagge sei für jeden Kubaner da. Auch für jene, die der kubanischen Revolution kritisch gegenüber stehen. Otero Alcantara gehört der Bewegung San Isidro an – einem Zusammenschluss von Künstlern, die sich der „Freiheit und der Kultur“ verschrieben haben.

Kubanische Schriftsteller, Künstler, Journalisten und Intellektuelle haben sich in einem offenen Brief hinter Otero Alcantara gestellt. „Hinter der Verhaftung steckt eine Strategie, Terror und Angst in der kubanischen Kunstszene und Zivilgesellschaft zu verbreiten, um die Komplizenschaft und das Schweigen der kubanischen Künstler zu gewinnen“, heißt es in dem Schreiben.

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Gegen das Prüfen von Kunst

Teil dieser Strategie ist das „Dekret 349“, das dem Staat die Zensur von Auftritten und künstlerischen Konzepten ermöglichen soll. Demnach soll jeder Auftritt vom Kulturministerium geprüft, genehmigt und anschließend bewertet werden. In den sozialen Netzwerken sagt Otero Alcantara „Nein zu 349“ und riskiert damit seine Freiheit.

Das Konzept der Repression funktioniert, weil sich der Rest der Welt an die kubanische Unterdrückungsroutine offenbar gewöhnt hat. Internationale Medien blicken lieber nach Brasilien oder Venezuela, linksgerichtete NGO’s schweigen zu solchen Menschenrechtsverletzungen. Fälle wie der von Otero Alcantara schaffen es kaum über die Insel hinaus. Es sieht nicht gut aus für ihn.