Medizinisches Personal versorgt in einem Krankenhaus einen Patienten.
Foto: Sven Hoppe/dpa

BerlinEs ging bei den Lockdowns nicht um einzelne Menschenleben. Sondern darum, dass unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Sonst wären nämlich dessen Missstände offensichtlich geworden: Personalmangel, wirtschaftliche Fehlkonstruktionen, immer stärkeres Gewinnstreben. Doch darüber wird nun kaum noch gesprochen. 

Stattdessen arbeiten Wirtschaft und Regierung in der Pandemie wie zuvor daran, die Zahl der Krankenhäuser und damit der Betten extrem zu mindern. Der Abbau wird staatlich finanziell gefördert, wie die Berliner Zeitung am Donnerstag berichtete.

Befürworter dieser Reform haben in einem Punkt zwar nicht unrecht: Nicht jedes Krankenhaus ist gut ausgestattet, längst nicht überall werden OP-Patienten und Notfälle angemessen versorgt. Das liegt aber vor allem an der Personalnot. Stellen für Pflegekräfte wurden seit Jahren systematisch abgebaut und können nun kaum noch besetzt werden. Doch das ließe sich beheben. Durch eine Umkehr dieser Fehlpolitik, bessere Bezahlung, mehr Ausbildung, den Abbau stark hierarchischer Strukturen.

Anstatt Häuser zu schließen, um die wenigen verbliebenen Pflegekräfte besser zu verteilen, sollte alles dafür getan werden, Personal wieder aufzustocken. Sonst werden Patienten noch auf dem Weg in die Klinik an Herzinfarkt und Schlaganfall sterben, weil es einfach zu lange dauert, bis sie irgendwo ankommen.

In München ist das teils schon so, obwohl die Klinik-Struktur als vorbildlich gilt: Patienten werden im Rettungswagen umher gefahren, bis jede Hilfe zu spät kommt. Weil keine noch so spezialisierte Klinik helfen kann, wenn die Notaufnahme wegen Überfüllung geschlossen ist. Nicht wegen zu vieler Patienten. Sondern wegen fehlendem Personal.