Brigitte Ebersbach hat etwas auf dem Herzen, das sie ihrer Parteichefin Angela Merkel mitteilen möchte. Die Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Schwenke präsentiert sich in einem Facebook-Video als engagierte Lokalpolitikerin. Mit ruhiger Stimme richtet sie sich an ihre Zuhörer: „Seit der Flüchtlingskrise werden wir täglich vor unserer Haustür mit den Konsequenzen von Gewalt und Krieg konfrontiert“, erklärt Ebersbach.

Deutschland drittgrößter Waffenexporteur

„Aber wer bringt all dies Elend in unsere Welt“, fragt die CDU-Politikerin mit besorgtem Blick – und fügt hinzu: „Leider auch wir“. Schließlich sei Deutschland als weltweit drittgrößter Waffenexporteur maßgeblich dafür verantwortlich, dass in anderen Teilen der Welt Krieg und Terror herrschen. „Besonders sogenannte Kleinwaffen fordern unzählige Todesopfer“, sagt Ebersbach und verweist auf eine Statistik, wonach 90 Prozent aller Kriegsopfer durch Hand- und Langwaffen verursacht werden.

„Als überzeugte CDU-Politikerin, Mutter von zwei Kindern und als Christin vor Gott kann ich dieses Handeln nicht länger mitverantworten“, erklärt Ebersbach. Aus diesem Grund fordert die Orts-Vorsitzende einen bundesweiten Exportverzicht von Kleinwaffen. Am Ende des rund zweiminütigen Videos wendet sich Ebersbach direkt an die Bundeskanzlerin: „Ihre christliche Wählerbasis appeliert an Ihr Mitgefühl.“

Aktionsbündnis hält CDU Spiegel vor

Das Besondere an dem Video: Es gibt weder einen CDU-Ortsverband Schwenke, noch eine Lokalpolitikerin namens Brigitte Ebersbach. Hinter dem aufwendig inszenierten Werbespot und dem Facebook-Profil der vermeintlichen „CDU Schwenke“ verbirgt sich das Aktionsbündnis „Peng Collective“. Die Gruppe von Aktivisten und Hackern hatte unter anderem 2015 mit täuschend echten Plakaten eine Kampagne der Bundeswehr sabotiert.

Mit seiner neuen Aktion hält das Aktionsbündnis der christlichen Partei den Spiegel vor, die sich – trotz millionenschwerer Waffenexporte in den Nahen Osten und zahlreiche Kriegsgebiete – regelmäßig auf ihre moralischen Werte beruft. Das Video hatte bis Mittwochmorgen rund 12.000 Aufrufe. Zudem haben die Aktivisten unter dem Slogan „Für eine CDU.Mit.Gefühl“ eine Petition gestartet, die einen Verzicht auf Kleinwaffenexporte fordert. Bereits 794 Personen haben unterschrieben.