Berlin - Ob es sich um eine reale Beerdigung handelte oder nicht: Die Inszenierung war perfekt gewählt in ihrer Wort- und Bildsprache: Von verstreuten Rosenblüten, leeren Stühlen, die für die eingeladenen Minister vorgesehen waren bis zu wehenden Flaggen und der obligatorischen schwarzen Schminke, die sich die Aktivisten des Künstlerkollektivs „Zentrum für Politische Schönheit“ bei ihren Aktionen ins Gesicht schmieren.

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Wie am Montag von den Polit-Aktivisten – bekannt geworden durch den Mauerkreuz-Skandal im November 2014 – angekündigt, wurde am Dienstagmorgen auf dem muslimischen Teil des Friedhofs in Gatow ein weißer Sarg, dekoriert mit einem Gebetsteppich und weißen Lilien, vor den Augen von rund 70 Trauernden und rund Hundert Journalisten in die Erde hinab gelassen. Laut Zentrums-Aktivist Stefan Pelzer befanden sich darin die Überreste einer 34-jährigen Syrerin, die vor rund zwei Monaten im Mittelmeer zusammen mit ihrer Tochter vor den Augen ihres Mannes und den beiden Söhnen ertrunken sein soll. Sie sei auf der Flucht von Damaskus über Libyen nach Lampedusa gewesen, als das Flüchtlingsboot kenterte. Der zweite Sarg war leer – er galt lediglich als Symbol für die tote Tochter, die nie gefunden wurde.

Das Künstlerkollektiv habe das „menschenunwürdige Grab“ der Mutter im italienischen Sortino auf Sizilien entdeckt, die Leiche exhumiert und ein Bestattungsunternehmen beauftragt, den Leichnam nach Berlin zu bringen, um ihr eine würdige Beerdigung zu ermöglichen, sagte Pelzer.

„Marsch der Entschlossenen“

„Wir tragen heute eine mutige und starke Frau und ihre zwei Jahre alte Tochter zu Grabe. Was ich Ihnen erzähle, ist keine Geschichte, sondern die Realität. Und leider ist die Realität Europas geschmackloser als jedes Theaterstück sein könnte. Die Frau wurde ermordet, diese Mauer ist so unüberwindbar, dass ihr der Weg über das Meer weniger gefährlich erschien“, sagte Aktivist Pelzer vor Beginn der durch einen Iman durchgeführten Zeremonie.

Weitere Beerdigungen sollen laut „Zentrum für politische Schönheit“ in Berlin folgen. Am Sonntag will ein „Marsch der Entschlossenen“ Tote vor das Kanzleramt bringen und beerdigen. Ein Mission, die zweierlei fordert: Den sofortigen europäischen Mauerfall und ein Umdenken in der EU-Asylpolitik.

Viele offene Fragen

Obwohl die Aktivisten angekündigt hatten, dass auch der Ehemann der verstorbenen Syrerin an der Beerdigung teilnehmen würde, war kein Angehöriger vor Ort. Begründung: Mann und Söhne lebten im Flüchtlingsheim eines anderen Bundeslandes und hätten Residenzpflicht. Der Antrag auf den Besuch der Beerdigung sei laut Pelzer abgelehnt worden. Warum das am Montag allerdings verschwiegen wurde, ist nur eine der offenen Fragen, die unbeantwortet blieben.

Auf die Frage, in welchem Bundesland Vater und Söhne lebten, wurde nicht eingegangen. „Aus Persönlichkeitsschutz“, so Philipp Ruch von „Zentrum“. Warum die Familie allerdings dann erst zu einer derart medienwirksam aufgebauschten Beerdigung kommen sollte, blieb rätselhaft. Ebenso blieb Ruch die Antwort schuldig, ob der italienische Kleintransporter, der am Freitag bei München mit zwei Särgen aufgehalten wurde, die Särge geladen hatte, die am Dienstag auf dem Friedhof standen.

Und so blieb den vielen Medienvertretern in Gatow nicht viel mehr übrig als festzustellen, dass sie Teil einer Theaterinszenierung waren – was sich hinter den Kulissen tatsächlich abgespielt hat, blieb ungeklärt.