Der fehlende Schnäuzer – das ist es, was von den Fans als erstes moniert wurde. Auf Twitter-Fotos von Jay Hernandez, dem neuen „Magnum“, wurde er deshalb auch schon mal einfach draufgemalt. Hernandez (41, „Suicide Squad“) hat höchstens mal einen sexy Dreitagebart. „Den dicken Schnäuzer haben wir in den 80ern gelassen“, sagte er lachend in einem Interview im US-Fernsehen. Auch Hawaii-Hemden trägt er nicht so oft der wie das Original Tom Selleck (74), sondern zeigt lieber seinen durchtrainierten Oberkörper. Aber der rote Ferrari spielt weiterhin eine wichtige Rolle.

Ab Mittwoch ist bei Vox die Neuauflage von „Magnum“ zu sehen. Es geht wesentlich rasanter, sportlicher, gestylter zu als in den 80ern. Kein Wunder: Die Pilotfolge inszenierte Justin Lin, Regisseur der „Fast & Furious“-Kinofilme. Produzent der Serie ist Peter Lenkov, der auch für die Remakes von „Hawaii Five-0“ und „MacGyver“ mitverantwortlich ist .

„Higgins“ ist jetzt eine Frau

„Magnums“ Freunde „TC“ und „Rick“ sind wieder dabei – und auch die beiden Dobermänner. Neuerungen mussten aber dennoch her. Die vielleicht krasseste: „Higgins“ – mit dem sich Magnum die legendären Kabbeleien geliefert hat (Darsteller John Hillerman starb 2017) – ist jetzt eine Frau. Perdita Weeks (33, dem deutschen Publikum durch Pilcher-Verfilmungen bekannt) spielt Julie Higgins, einst Agentin beim britischen MI-6, die nun Verwalterin des Anwesens des immer abwesenden Robin Masters ist, auf dem auch Privatdetektiv „Magnum“ lebt. Der weibliche „Higgins“ soll ein bisschen sexuelle Dynamik in die Geschichte bringen.

Kein Zufall ist wohl, dass mit Jay Hernandez ein mexikanisch -stämmiger Hauptdarsteller gewählt wurde – das soll Vielfalt symbolisieren. Und auch andere taktische Hintergründe scheint es zu geben. Auf die Frage, ob es an der Zeit für eine „Magnum“-Neuauflage gewesen sei, gab Hernandez eine für Deutsche vielleicht eher überraschende Antwort: „Das ist eine gute Gelegenheit, die Kriegsveteranen zu ehren.“

In der Original-Serie waren „Magnum“ und seine Freunde Vietnam-Kriegsheimkehrer. Sie sprachen viel über die Zeit, die Kameradschaft, die Gefahr, Orte wie Da Nang. Es sei die erste Serie gewesen, in der Veteranen positiv dargestellt wurden – das hatte auch Selleck immer wieder betont . „Und nun kommen wieder viele Veteranen zurück und die wollen wir repräsentieren“, so Hernandez. Der neue „Magnum“ ist ein Ex-Navy Seal, der in Afghanistan war – und tritt auch schon mal in beeindruckender Uniform auf. „Aber außerdem wollen wir natürlich viele Ferraris und Strände zeigen“, fügte er lachend hinzu.

Testosteron unter Palmen

Die Kritiken in den USA, wo die Serie seit dem vergangenen November läuft, fielen eher verhalten aus. Die „New York Times“ schrieb, es gehe vor allem um Nostalgie und Testosteron. Und der „Hollywood Reporter“ fasste es so zusammen: viel schöne Landschaft und schnelle, teure Autos („Hawaii travel porn and expensive car porn“). Das klingt nicht kultverdächtig.

Jay Hernandez und Tom Selleck haben übrigens nicht miteinander über das Projekt gesprochen. Aber der Sender CBS hat bei Tom Selleck angefragt, ob er mit der Neuauflage einverstanden sei. Der hatte Zweifel, ob die Fans sich mit einem neuen „Magnum“ anfreunden würden. „Ich möchte damit nichts zu tun haben, aber ich werde euch auch nicht im Weg stehen.“ Auch eine Gastrolle käme für ihn nicht in Frage. „Ich werde das nicht machen, damit würde ich dem Publikum signalisieren, dass ich die Sache gut finde.“

Außerdem sei er sehr zufrieden und beschäftigt mit seiner Serie „Blue Bloods“, in der er den hoch geschätzten Polizeichef von New York spielt (auf Kabel Eins zu sehen) – geradezu das Gegenteil des lässigen „Magnums“. Gerade wurde die zehnte Staffel angekündigt. Als Polizeichef trägt Tom Selleck natürlich Schnäuzer.