Lämschutzwand: Vier Meter große Mauer in München-Neuperlach

Köln - Es wirkt wie eine verkehrte Welt, was da derzeit im Münchner Stadtteil Neuperlach geschieht. Dort entsteht eine vier Meter hohe Mauer, die die Anwohner in Neuperlach-Süd vor einer neuen Flüchtlingsunterkunft schützen soll. Und sorgt in der bayrischen Landeshauptstadt für Kopfschütteln.

Zum Vergleich: Die einstige Trennungswand zwischen West- und Ostberlin hatte eine Höhe von 3,60 Metern. „München musste das wohl noch übertreffen“, reagiert Guido Bucholtz, stellvertretender Vorsitzender im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach, gegenüber dem Münchner Merkur mit Unverständnis: „Unter Integration stelle ich mir etwas anderes vor.“ In seinem Artikel schreibt der „Merkur“, dass der Bau der Mauer kein Wunsch der Stadt München gewesen sein soll. Vielmehr ist es ein Kompromiss.

„Kläger pochten auf Erholungsbedürfnis“

Insgesamt sieben Nachbarn hatten im Jahr 2015 gegen die Baupläne für eine Flüchtlingsunterkunft für 160 Erwachsene geklagt, in die nach jetzigem Stand unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterkommen sollen. „Die Kläger pochten vor allem auf ihr Erholungsbedürfnis abends und am Wochenende“, berichtete der „Merkur“ im Juni dieses Jahres. In Anbetracht, dass die Häuser der Kläger gut 25 Meter hinter der Grundstückgrenze der Unterkunft liegen und ihre Gärten sowie ein mit Bäumen und Büschen bewachsener Grünstreifen samt Fuß- und Radweg dazwischen platziert sei, eine zweifelhafte Forderung.

Nach der ersten Entscheidung zugunsten der Stadt waren sie in die höhere Instanz gegangen. Dort entschied das Verwaltungsgericht am 27. Juni laut „Merkur“ die Errichtung der vier Meter hohen Wand zum Schutz der Anlieger vor Geräuschen. Ein Schallschutzgutachten hatte die Höhe von vier Metern für die Mauer vorgeschlagen. „Dabei hatte die Stadt bereits auf die ursprünglich geplanten Streetball-Plätze auf der Mauerseite verzichtet.

Schließlich wurde bei einem Gespräch mit Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) der nun umgesetzte Mauer-Kompromiss ausgehandelt, den das Verwaltungsgericht München dann in seinem Urteil festzurrte. Die Richterin schrieb noch weitere Bedingungen vor: So soll die Wand nicht für »Freizeitnutzungen« wie Klettern zur Verfügung stehen bzw. so gestaltet werden, »dass sie sich nicht für Ballwurfspiele eignet«.“

Laut Medienberichten zufolge wirkt die Mauer aus Sicht der Unterkunftsanlage noch dominanter, weil das Gelände einen Meter tiefer liegt.

„Ein Symbol des Abschottens“

Spiegel Online gegenüber kritisierte Guido Buchholtz, der von der Mauer ein Video ins Internet stellte, vor allem die Wirkung der riesig anmutenden Lärmschutzwand: „Das ist ein Symbol des Abschottens.“ Der parteilose Politiker, der 30 Jahre lang nur wenige hundert Meter von der neuen Unterkunft gewohnt hat, wehrte sich auch wehement gegen ein falsches Bild vom Stadttteil Neuperlach. So sollen dort Menschen mit vielen verschiendenen Nationalitäten seit langem friedlich zusammenleben. Außerdem warnte der 62-Jährige vor Sonderrechten, nur weil jemand einen Anwalt beauftrage: „Man sollte keinen Unterschied zwischen Menschen machen, seien es nun Flüchtlinge, Deutsche, Italiener oder sonst jemand anderes.“

Dass in München Lärmschutzwände errichtet werden, ist keine Seltenheit. Das Ausmaß dieses Bauwerks und die Hintergründe allerdings schon. (kop)