Das Private ist politisch, lautet einer der Leitsprüche der 68er, genauer genommen der autonomen Frauenbewegung. Eines der prominentesten politischen Paare der Republik verwirklicht dies nun auf ganz andere Weise. Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht sind seit dem Wochenende auch ganz offiziell ein privates Paar.

Dass ältere Politiker und jüngere Frauen zueinander finden, ist in Deutschland wie anderswo schon lange nichts Besonderes mehr. Willy Brandt, Gerhard Schröder, Joschka Fischer, Christian Wulff, aber auch Nicolas Sarkozy sind Beispiele. Neu ist, dass sich zwei aktive Politiker, die bislang einander eher über Bande die Bälle zuspielten, so zusammentun. Ob der Reiz, den die attraktive, 42 Jahre alte Sahra Wagenknecht an dem 68 Jahre alten rundlichen Herrn entdeckt hat, eher politischer oder privater Natur ist, bleibt ihre Privatsache.

Alles übrige aber ist politisch. Sahra Wagenknecht hat sich von der kommunistischen Flügelfrau zu einer der einflussreichsten Politikerinnen der Linken entwickelt. Sie ist stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende, und nicht wenige sehen in ihr die kommende Parteichefin. Sie ist klug, rhetorisch beschlagen, in Talkshows eine glänzende Diskutantin. Ganz ähnlich übrigens wie Christa Müller, Lafontaines Ehefrau, die die Öffentlichkeit freilich mehr gescheut denn gesucht hat.

Eines aber ist Wagenknecht bisher gewiss nicht: Eine Figur von Gnaden Lafontaines, auch, wenn er schon früh ihre Gaben entdeckt und sie gefördert hat. Doch genau in diese Gefahr gerät sie nun. In den Ruch, nur eine Stellvertreterin ihres Partners zu sein, der sich vor zwei Jahren aus der Bundespolitik zurückgezogen hat und der nun sie vorschickt, um seinen Einfluss weiter zu sichern.

Lafontaines Schritt, die Beziehung öffentlich zu machen, über die in manchen Kreisen schon lange spekuliert wurde, mag der Versuch sein, Wagenknecht und ihre weitere Karriere zu schützen. Klare Verhältnisse sind allemal weniger schädlich als permanente Gerüchte. Dennoch wird es in der Linken starkes Unbehagen gegen den Eindruck geben, die Partei werde zu einem Familienunternehmen. Sahra Wagenknecht wird sehr auf ihre Autonomie achten müssen – wie einst ihre fremden Schwestern aus der Frauenbewegung.