Köln - Die muslimische Autorin und Religionspädagogin Lamya Kaddor hat sich aus Sicherheitsgründen bis zum Sommer 2017 vom Schuldienst beurlauben lassen. Nach ihrem durch eine Bedrohungswelle bedingten Rückzug aus dem aktiven Schuldienst sieht die Pädagogin und Buchautorin sich und andere durch regelrechte Feldzüge von Rassisten attackiert. „Das sind ja nicht nur Einzelpersonen“, sagte die Pädagogin am Donnerstag im Deutschlandfunk. 

Ihre Entscheidung, sich aus dem Schuldienst zurückzuziehen, gab Kaddor am Mittwoch auf Facebook bekannt.

In ihrem neuen Buch nenne sie dies „organisierten Hass“. „Das sind Netzwerke sozusagen, die einen wirklich heimsuchen, die sich untereinander abstimmen und dann zentral und koordiniert sozusagen Menschen belästigen, verunglimpfen, versuchen, Angst zu machen, einschüchtern“, sagte Kaddor.

Sie selbst erhalte seit Jahren wegen ihrer Meinungen Hassbotschaften, vor dem Hintergrund des Erscheinens ihres neuen Buchs und der momentanen Stimmungslage sei es derzeit aber besonders schlimm. Kaddor hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass Morddrohungen und Verunglimpfungen zuletzt derart zugenommen hätten, dass sie ihre Berufsausübung entsprechend einschränken müsse.

„Nicht mehr berechenbar“

„Ich musste mich aus Sicherheitserwägungen vom Schuldienst beurlauben lassen, da das, was da gerade gegen meine Person lanciert wird, nicht mehr berechenbar ist - und das nur, weil ich es gewagt habe, einen Blick in Sachen Integration auf die Mehrheitsbevölkerung zu richten“, erklärte die Religionspädagogin und Islamwissenschaftlerin.

„Es ist von einer Art Enthemmung zu sprechen, die Menschen sind völlig enthemmt.“ Sie erhalte unter Klarnamen Nachrichten, „dass ich vergast werden soll (...), dass man mich demnächst irgendwo nachts abholen wird - das sind ja Dinge, die nicht mehr so witzig sind“, sagte sie im Deutschlandfunk. Ursache seien auch „verkürzte Vorabdrucke“ ihres neuen Buchs sowie Journalisten und Intellektuelle, die sehr massiv gegen sie Stimmung machten.

„Dann bekomme ich eine Hasswelle zu spüren, wie ich es wage, als Ausländerin meinen Mund aufzumachen und den Deutschen diktieren wollen würde, welche Identität die hier sich zuzuschreiben hätten“, berichtete sie. Dabei habe sie viele der ihr zugeschriebenen Äußerungen so nie getätigt und äußere sich in ihrem Buch sehr viel differenzierter. (afp)