Auf dem Alexanderplatz gehen nur vereinzelt Menschen. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen hat die Bundesregierung das öffentliche Leben erheblich eingeschränkt. 
Foto: Christophe Gateau/dpa

BerlinMittwochabend im Gleisdreieckpark in Berlin-Kreuzberg: Mehrere Gruppen junger Menschen sind auf den Grünflächen   unterwegs. Der empfohlene Corona-Abstand wird selten eingehalten. Unter dem U-Bahn-Viadukt sitzt eine Gruppe um eine mitgebrachte Wasserpfeife. Es sind wohl sorglose Szenen wie diese, die am Donnerstag gleich mehrere Ministerpräsidenten dazu gebracht haben, öffentlich über eine Ausgangssperre in Deutschland zu sprechen.

Denn der eindringliche Appell von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu mehr Disziplin, hat bislang noch nicht die erhoffte Wirkung erzielt. Am Sonntag will Merkel dem Vernehmen nach mit den Länderchefs in einer Telefonschalte beraten, das sagte der baden-württembergische Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne). In seinem Bundesland hat am Donnerstagabend die Stadt Freiburg eine eingeschränkte Ausgangssperre verhängt vom 21. März bis 3. April. Die Stadt selbst sprach von einem Betretungsverbot für öffentliche Orte. Man dürfe aber weiterhin zur Arbeit oder zum Arzt gehen sowie Lebensmittel einkaufen

Lesen Sie die aktuellen Entwicklungen in unserem überregionalen Newsblog zum Coronavirus oder alles Wichtige aus der Region im Berlin-Newsblog zum Coronavirus. >>

Der nordrhein-westfälische Regierungschef Armin Laschet (CDU) mahnte: „Jeder Einzelne hat es in der Hand zu verhindern, dass es Ausgangssperren gibt“, sagte etwa am Donnerstag in Düsseldorf.   Er hat derzeit unter den Länderchefs das größte Corona-Problem. In absoluten Zahlen gibt es mit 3033 Infizierten in NRW die meisten Patienten bundesweit. Eine Steigerung von immer mehr als 600 Betroffenen innerhalb eines Tages. In dem Land gab es   schon sechs Tote.

Ausgangssperre bereits in bayerischer Kleinstadt

Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nimmt eine weitere Einschränkung der Bewegungsfreiheit in den Blick, sollten sich die Menschen nicht an die Empfehlungen halten: möglichst wenige soziale Kontakte, am besten zu Hause bleiben. „Wenn sich viele Menschen nicht freiwillig beschränken, dann bleibt am Ende nur die bayernweite Ausgangssperre als einziges Instrumentarium, um darauf zu reagieren. Das muss jedem klar sein“, sagte er im Landtag in München. Im oberpfälzischen Mitterteich wurde am Donnerstag schon eine Ausgangssperre verhängt, die erste in Deutschland. Berufstätige dürfen zur Arbeit, andere zum Einkaufen, die Polizei kontrolliert. Bis Mittwoch waren im Landkreis Tirschenreuth 47 Corona-Infizierte registriert, allein 25 von ihnen in der 6500-Einwohner-Stadt Mitterteich. Ein Starkbierfest könnte der Verbreitung Vorschub geleistet haben.

Auch Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) betonte bei einer Sondersitzung des Landtags in Stuttgart, ob es ein Ausgangsverbot gebe, hänge von den Bürgern ab. „Es kann nicht sein, dass jetzt junge Leute zu Corona-Partys rennen“, sagte er. „Wenn nicht alle ihr Verhalten grundlegend umstellen, dann kommen wir um härtere Maßnahmen und Sanktionen nicht herum.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in ihrer Ansprache am Mittwochabend zwar das Wort Ausgangssperre nicht in den Mund genommen, aber klar gesagt, dass jeder Einzelne aufgefordert ist, sein Verhalten so zu ändern, dass die Verbreitung des Coronavirus maximal verlangsamt wird. Wenn das nicht gelingt, werde es weitere Maßnahmen geben.

Lesen Sie hier: Merkel: „Die Situation ist ernst, und sie ist offen“ >>

Mehrere Länbder in Europa bereits mit Ausgangssperren

In Europa haben bereits mehrere Länder Ausgangssperren verhängt. In Italien, das Land mit dem meisten Infizierten und mit den meisten Todes-Opfern, wird die Ausgangssperre möglicherweise über den 25. März hinaus verlängert. Die Regierung in Rom erwägt ein Verbot aller Freizeitaktivitäten im Freien – darunter auch Spaziergänge und Joggen.

Lesen Sie auch: Milliarden-Hilfspaket für Solo-Selbständige geplant >>

Auch in Frankreich bleibt die Bewegungsfreiheit der Bürger weiterhin eingeschränkt. Die Generaldirektorin der Gesundheitsbehörde, Geneviève Chêne, sagte France Info, die Sperre sei vorerst bis zum 31. März befristet. Seit Dienstag dürfen die Franzosen nur noch zum Einkaufen oder aus zwingenden beruflichen oder gesundheitlichen Gründen aus dem Haus. Chêne verwies auf den starken Anstieg bei den Neuinfektionen. Die Behörden registrierten inzwischen mehr als 9 100 Infektionen und 264 Todesfälle. Chêne rechnet mit einer möglichen Trendwende erst in „zwei bis vier Wochen“. (mit dpa/AFP)

Das Corona-Update als Newsletter

* Hierbei handelt es sich um Produkte, die von der oben genannten Gesellschaft angeboten werden: gedruckte/digitale Presseprodukte ggf. mit Zugaben sowie Produkte des Verlags: Bücher, Reisen, Veranstaltungen.