Berlin - Martin Schulz hält sich am Rednerpult im Willy-Brandt-Haus fest. Er atmet erst mal tief durch, bevor er zu sprechen beginnt. Der neue SPD-Vorsitzende sagt, er habe noch am Nachmittag gehofft, seine Partei werde bei der Wahl im Saarland gleichauf mit der Union liegen, vielleicht an der Spitze. Für Sozialdemokraten gebe es „gute Tage“ und „weniger gute Tage“. Und: „Ich kann den heutigen Tag nicht zu den guten Tagen zählen.“ Es ist ein klarer, ehrlicher Ton, der die Niederlage nicht beschönigt.

Es ist die erste Landtagswahl, seit klar ist, dass Martin Schulz als Kanzlerkandidat der SPD antritt. Seit die Partei in den Umfragen spürbar zugelegt hat und Tausende in die Partei eingetreten sind. Das hat der Wahl im kleinen Saarland eine besondere bundespolitische Bedeutung verliehen.

Kein Jubel im Willy-Brandt-Haus

Denn es ist ja so: Wird im Fußball ein neuer Trainer mit reichlich Vorschusslorbeeren überhäuft, bekommt das erste Spiel – und sei es ein eher unbedeutendes Testspiel – große Aufmerksamkeit. Schulz selbst verweist an diesem Abend darauf, dass er ein „alter Fußballer“ sei. Er setzt hinzu: „Wenn du am Anfang des Spiels einen reinbekommst, dann muss die Mannschaft zusammenstehen und kämpfen.“ Es ist als Mahnung an die eigene Partei zu verstehen, jetzt nicht in alte Muster zu zerfallen – und übereinander herzufallen statt mit dem Gegner zu ringen.

Nichts ist im Willy-Brandt-Haus vom Schulz-Hype der vergangenen Wochen zu spüren. Keine „Martin, Martin“-Rufe, kein Jubel – dafür ein leises Stöhnen als Grundgeräusch, als die ersten Prognosen auf den TV-Bildschirmen gezeigt werden. Diskutiert wird wenig, die meisten halten sich schweigend an ihrem Getränk fest. Die SPD-Spitze betont derweil, vor der Bekanntgabe der Kanzlerkandidatur von Martin Schulz habe die Saar-SPD in Umfragen bei 24 Prozent gelegen. Und: Das Saarland sei eben das Saarland – nicht der Bund. Martin Schulz spricht gar vom „Kramp-Karrenbauer-Effekt“.

Mit Kramp-Karrenbauer wurde auch Merkel bestätigt

Bei der CDU hingegen ist die Stimmung erleichtert bis fröhlich. Mit einer weiteren Niederlage hatte man dort gerechnet, zumindest mit einer Wackelpartie. Der Schulz-Hype beeindruckte auch die Christdemokraten. Intern wurde Merkel vorgehalten, dem zu wenig entgegenzusetzen.

Nun hat die CDU zugelegt, eine Amtsinhaberin ist bestätigt worden, die mit ihrer Zurückhaltung und ihrem Pragmatismus Angela Merkel ähnlich ist. Die Serie der Wahlniederlagen aus dem vergangenen Jahr scheint aufgehalten.

„Ein toller Start ins Wahljahr“, schwärmt Fraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer. „Der Schulz-Effekt ist verpufft, und die SPD-Party geht langsam zu Ende“, lästert Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier. CDU-Generalsekretär Peter Tauber empfiehlt die eigene Chefin nicht direkt, sondern über ein Lob der saarländischen Wahlsiegerin Annegret Kramp-Karrenbauer: „Es zeigt sich: In unsicheren Zeiten vertrauen die Menschen der politischen Kraft, die verlässlich regiert.“ Der Satz allerdings ist fast ein Nebensatz bei Tauber, der vor allem betont: „Das Wahlergebnis ist eine klare Absage an Rot-Rot-Grün.“

Merkel wird wohl ihren bedächtigen Kurs fortsetzen

Damit ist er auch wieder im Bundestagswahlkampf, wo ein Bündnis von SPD, Linkspartei und Grünen die einzige Möglichkeit der SPD scheint, die Union in die Opposition zu schicken. Es sei wichtig, weder mit Populisten der Linken, noch mit denen der rechten Seite zusammenzuarbeiten, sagt Tauber. CSU-Chef Horst Seehofer, der sich selbst gerne als Populisten bezeichnet, meint er damit offenbar nicht. An ihn gibt es allerdings den Hinweis, dass es von Erfolg gekrönt sei, wenn die Union gemeinsam und geschlossen kämpfe. Merkel, so viel scheint sicher, wird ihren bedächtigen Kurs fortsetzen.

Der Blick geht nun nach Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Hier werde es so sein wie im Saarland, sagt Schulz. Die Amtsinhaber – diesmal von der SPD - würden bestätigt. Es ist ein Gesetz, das aus der Sicht von Schulz auch Tücken hat: Die Bundestagswahl würde er damit nicht gewinnen.

Für die CDU hat die Wahl noch eine ganz andere Komponente: Sie hat mit Annegret Kramp-Karrenbauer nun eine klare neue Favoritin auf die Nachfolge von Angela Merkel, egal wie die Bundestagswahl ausgeht.