Berlin - Ein kleines Lächeln erlaubt sich Merkel dann doch. „Ein schöner Tag, ein ermutigender Tag“ sei der Saar-Wahltag gewesen, sagt sie. Aber dann ist es aber auch wieder gut mit der Freude. Es ist der erste Landtagswahlsieg der Union seit langem, ein souveräner Sieg obendrein. An einem solchen Tag „muss man wenig traurig sein“, befindet Merkel. Sie bleibt ernst dabei. Wenn der vom SPD-Kandidaten ausgerufene Schulz-Zug mit einigem Getöse rollt, ist der Merkel-Zug ein Gefährt auf Flüstergleisen.

Ein bisschen mehr Emotion haben sich viele in der Union von ihrer Chefin gewünscht. Merkel erlaubt sich maximal ein kleines Funkeln. Sie freue sich, sagt Merkel nochmals, ohne Lächeln, und fügt hinzu: „Wenn man verliert, freut man sich nicht. Es ist ein Element anders.“

Irritierend nüchtern ist das, Merkel hat ganz offenkundig den Blick bereits auf die nächsten Wahlen gerichtet: In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen im Mai dürfte es die CDU schwerer haben, sie ist anders als im Saarland dort bislang in der Opposition. „Nach der Wahl ist vor der Wahl“, sagt Merkel. 

Triumphgefühl nach innen und nach außen

Hinter den Kulissen ist die Begeisterung deutlich größer – und auch das Triumphgefühl. Es weidet sich an Schulz und der SPD, die ihre Niederlage einräumen mussten. Aber es richtet sich auch an die eigenen Reihen, an die, die Merkel wieder und wieder vorwarfen und –werfen, sie tue das Falsche oder mindestens zu wenig. Von einem „Lehrstück für die gesamte Partei“ spricht man also im Merkel-Lager zufrieden. Der ruhige Merkel-Kurs sei indirekt bestätigt worden: „Nicht der gewinnt, der am lautesten schreit.“

Merkel sieht das auch so, aber sie bleibt vorsichtiger in ihren Formulierungen. Sie betont, für einen Wahlerfolg sei es entscheidend, dass eine Partei gemeinsam kämpfe und zu schwierigen Entscheidungen stehe. CSU-Chef Horst Seehofer, der sie monatelang bekämpft hat, hat nach der Saarland-Wahl erklärt: Es sei nun klar, dass es „die richtige Strategie ist, sich klar zur Kanzlerin zu bekennen“. Sie habe sich über den Glückwunsch gefreut, sagt Merkel.

Die Partei werde „in einen sehr gemeinsamen Rhythmus kommen“, ergänzt sie und man kann sich vorstellen, wie sie das nun in den verschiedenen Sitzungen der CDU üben, bis aus Geremepel ein Schunkeln wird. Es wird auch hier allerdings etwas nüchterner sein. In dieser Woche ruft die Parteizentrale die ersten lokalen Wahlkämpfer zu einer Kampagnenkonferenz: Es wird dort um Termine, Plakate und Online-Wahlkampf gehen.

Haustürwahlkampf und Online-Aktionen können knappe Wahl entscheiden

Haustür-Wahlkampf wie in den USA ist hoch im Kurs, im Saarland hätten 75.000 Besuche bei Wählern großen Erfolg gehabt, heißt es. Und dann gibt es noch Apps, mit denen Wahlkämpfer ihren Einsatz messen können. Zwei Prozentpunkte mehr durch Haustürwahlkampf, zwei weitere durch Online-Aktionen – das könne eine knappe Wahl schon entscheiden, rechnen sie bei der CDU vor.

Und dann gibt es ja auch noch das Wahlprogramm, die Inhalte, die die CDU von der SPD so dringlich abfordert. Im Juli soll das Programm der CDU stehen, in dieser Woche beginnt eine Mitgliederbefragung nach den gewünschten Themen. Aus dem Wahlkampfland NRW wird gedrängelt: „Wir sind als CDU gut beraten, noch rechtzeitig vor der NRW-Wah eigene inhaltliche Akzente zu setzen“, sagt der Sprecher der NRW-Bundestagsabgeordneten, Günther Krings, dieser Zeitung. 

„Noch vor dem Beschluss unseres Wahlprogramms sollte klar werden, wie wir die Mitte der Gesellschaft bei Steuern und Abgaben entlasten wollen.“ Man könne aus den vergangenen Wochen auch etwas lernen: Man müsse „an den eigenen Sieg glauben und das auch ausstrahlen“.

Daran scheint sich Merkel auch zu erinnern. Ob Annegret Kramp-Karrenbauer, die Wahlgewinnerin vom Saarland, nun eigentlich ihre Nachfolgerin sei, wird sie gefragt. „Ich bin jetzt Kandidatin für diesen Wahlkampf“, entgegnet die Kanzlerin. „Und wir wollen gewinnen.“ Bei dem Satz strahlt sie dann richtig.