Landtagswahl im Saarland: Warum haben die Umfragen schon wieder so daneben gelegen?

Berlin - Ist der Schulz-Hype nur eine Umfrage-Blase? Nach der Saarland-Wahl stellt sich wieder einmal die Frage, was Meinungstrends im Vorfeld von Wahlen noch leisten können – und ob sie die Wahlen gar beeinflussen können. Die großen Meinungsforschungsinstitute hatten CDU und SPD noch vier Tage vor der Wahl fast gleichauf gesehen.

Das Institut Insa hat anhand von Wählerbefragungen noch am vorigen Mittwoch die CDU bei 35 Prozent und die SPD bei 33 Prozent gesehen. Auch andere Institute sahen die bisherigen Regierungsparteien ähnlich nah beieinander. Mit 40,7 Prozent für die CDU und 29,6 Prozent für die SPD weicht das vorläufige Endergebnis jedoch deutlich von diesen Werten ab.

„Den Eindruck, dass die Demoskopen daneben lagen, kann man aktuell durchaus gewinnen“, sagt Thorsten Faas, Professor für Empirische Politikforschung an der Universität Mainz. „Jedoch muss man gerade mit Blick auf das Wochenende auch realistisch bleiben“, so Faas weiter. Es habe vor allem Verschiebungen zwischen SPD und CDU gegeben. Bei den anderen Parteien deckten sich die Trends sehr gut mit dem Wahlergebnis. 

Ergebnis könnte Reaktion auf jüngste Umfragen sein

Doch woran liegen die Verschiebungen bei den beiden großen Parteien? „Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Wahlergebnis vielmehr eine Reaktion auf die jüngsten Umfragen war“, sagt Faas. „Natürlich berücksichtigen Teile der Wählerschaft diese Zahlen.“ So würde sich dann auch der Schwung von der SPD zur Union erklären: Einige Wähler wollten mit ihrem Kreuz ein rot-rotes Bündnis verhindern und haben durch die guten Umfragewerte der SPD, strategisch die CDU gewählt, in der Hoffnung, dass es dann nicht mehr für ein Mitte-Links-Bündnis ausreicht. „Damit sieht es jetzt so aus, als seien die Umfragen falsch gewesen, aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung muss das gar nicht so gewesen sein“, sagt Faas.

Hermann Binkert, Geschäftsführer von Insa, schätzt, dass die Wahlbeteiligung schließlich zugunsten der Union gestiegen ist. „Hätten wir in unseren Umfragen 40 Prozent für die CDU gehabt, wäre das Wahlergebnis wahrscheinlich ganz anders ausgefallen“, sagt Binkert mit Blick auf die strategischen Wähler.

Unsicherheit durch unentschlossene Wähler

Das Erfurter Institut Insa hat für ihre Umfrage tausend Menschen telefonisch befragt – per Festnetz und über Mobilfunknummern. Bei der letzten Befragung vor dem Wahlsonntag haben laut Angaben des Forschungsinstitutes ein Drittel der Befragten keine Antwort gegeben oder sich unentschieden gezeigt. „Dadurch ergeben sich natürlich zusätzliche Unsicherheiten“, so Blinkert. Mit Blick auf die Bundestagswahl will das Institut diese Schwankungen vor allem durch zusätzliche Fragen beseitigen.

Durch Nebenfragen („Wie hoch ist die Zufriedenheit mit der aktuellen Regierung?“) oder mit einer Frage nach der Einordnung in ein politisches Spektrum, sollen die unentschlossenen Wähler ein Stück weiter zugeordnet werden können.

Die hohen Ausfallwerte seien aber nicht ungewöhnlich, so die Einschätzung des Empirikers Faas. Wichtig sei, dass die Demoskopen deutlich machten, welche Unsicherheiten mit ihren Zahlen verbunden sein könnten. „Und vielleicht hier und da noch transparenter werden, wie sie eigentlich vorgehen“, sagt Faas.