Viele Sozialdemokraten im Lande Brandenburg werden ganz sicher darauf angestoßen haben, ebenso die Christdemokraten in Sachsen. Denn am Donnerstagabend gaben die „ARD-Tagesthemen“ ihre aktuellen Umfragewerte bekannt, die dann am Freitag vom „ZDF-Politbarometer“ bestätigt wurden. Eine ziemliche Überraschung ist geschehen: In beiden Ländern, in denen am 1. September neue Landtage gewählt werden, haben die Regierungsparteien eine Art Trendwende geschafft.

Danach sah es lange Zeit nicht aus, denn im Wahljahr litten SPD und CDU vor allem im Osten darunter, dass sie nicht profitieren konnten von den zugespitzten Debatten über den Umgang mit dem Klimawandel und mit Flüchtlingen, sondern nur AfD und Grüne.

Nun aber, kurz vor der Wahl, punkten die Parteien der Ministerpräsidenten wieder. Seit Wochen stand in Brandenburg die rechtsnationale AfD klar vor der SPD, die dieses Land seit dem Ende der DDR regiert. Eine Woche vor der Wahl belegt die SPD wieder Platz 1 – entweder gleichauf mit der AfD oder sogar kurz vor ihr, je nach Umfrage.

SPD in Brandenburg macht großen Sprung

Vier Prozentpunkte mehr gegenüber der Umfrage vor zwei Monaten – das ist durchaus ein Sprung, den viele der SPD in Brandenburg nicht mehr zugetraut haben. Regierungschef Dietmar Woidke sagt seit sieben Wochen tapfer, dass er unbedingt verhindern wolle, dass die AfD stärkste Partei werde, weil die immer offener rechtsextreme Positionen vertrete und die Gesellschaft spalte. Lange wurde er belächelt, dass er noch an den Sieg glaubt.

„Ich bin der Meinung, dass sich Wahlkampf lohnt“, sagte Woidke am Freitag der Berliner Zeitung. Gerade in diesen unruhigen Zeiten sei es wichtig, sich mit Wählern auseinanderzusetzen. „Ich hatte immer ein gutes Gefühl, und es freut mich, wenn sich das in Umfragen widerspiegelt.“ Ein Hauptgrund für den Umschwung sieht er darin, dass sich viele Leute Gedanken machten um die Stabilität des Landes. „Viele Bürger sind besorgt. Und das mobilisiert in die richtige Richtung – in unsere.“

CDU in Sachsen auf Platz 1

In Sachsen steht die CDU um Ministerpräsident Michael Kretschmer nun sogar auf Platz 1, mit sechs Punkten Vorsprung vor der AfD. Dort wiederum ist die SPD sehr schwach. Sie liegt sogar nur zwei Prozentpunkte über der Fünf-Prozent-Hürde.

Die Umfragen zeigen mehrere Dinge. Kurz vor dem Wahltag zieht wie so oft der Amtsbonus doch ein wenig. Die Leute fragen sich: Welche Person soll das Land regieren? Dazu kommt, dass es in beiden Ländern keine Wechselstimmung gibt, da ein Wechsel nur mit der AfD ginge und eine klare Wählermehrheit deren Regierungsbeteiligung ablehnt.

Auch die Angst vor unklaren politischen Verhältnissen scheint zu wirken. Die Regierungsparteien sprechen ausdrücklich davon, dass es bei diesen Wahlen um eine existenzielle Grundausrichtung für die Länder gehe. Viele wollen auch verhindern, dass den Ost-Ländern der Stempel aufgedrückt wird, AfD-Hochburgen zu sein. Die Umfragen zeigen auch, dass die AfD ihr Wählerpotenzial mit 20 bis 25 Prozent ausgeschöpft hat.

Höhenflug der Grünen in Brandenburg vorerst gestoppt

Andererseits wird auch klar, dass trotz des „Fridays for Future“-Hypes der Höhenflug der Grünen vorerst gestoppt ist. Seit Monaten stagnierten in Brandenburg alle Parteien, nur die Grünen stiegen und standen so gut da, dass sogar darüber diskutiert wurde, ob sie nicht hinter der AfD auf Platz 2 landen und dann die Regierung führen könnten. Nun sinken ihre Werte von 17 auf zwölf Prozent.

Die Umfragen haben eine Fehlerquote von drei Prozent – ein Wert, der am Wahlabend darüber entscheiden kann, wer den Ministerpräsidenten stellt. Aber eine Sache ist in beiden Ländern schon vor der Wahl klar: Die aktuellen Zweierbündnisse werden ganz sicher nicht mehr allein weiterregieren können. Da derzeit niemand der AfD zur Macht verhelfen will, sind nach dem 1. September mindestens Dreier-Bündnisse für stabile Mehrheiten nötig. Aus aktueller Sicht könnte es in beiden Ländern darauf hinauslaufen, dass Schwarz-Rot in Dresden und Rot-Rot in Potsdam zumindest um die Farbe Grün erweitert wird.