Berlin - Er ist der Mann, der Olaf Scholz zum neuen möglichen Kanzler machte. Lars Klingbeil glaubte schon an einen Bundestagswahlsieg seiner Partei, als andere noch die Totenmesse auf die SPD sangen. Nun könnte der Generalsekretär Parteichef werden. Das zweitschönste Amt neben Papst, wie einst Franz Müntefering sagte.

Klingbeil ist im Wahlkampf bemitleidet, oft auch angeherrscht worden. In Talkshows wie bei Lanz musste sich der 43-Jährige noch vor ein paar Monaten rechtfertigen, warum er an Olaf Scholz glaube. Seine Mutter schrieb ihm nachher eine SMS, wie sehr sie ihn bewundere, dass er immer so ruhig bleibe.

Er lächelte, als er das im Nachhinein erzählte. Er lächelt oft und wirkt dabei sehr unaufgeregt. Klingbeil ist in Niedersachsen aufgewachsen. Er ist ein Nordkind, das hat er mit Scholz gemein. Sein Vater war Berufssoldat, seine Mutter arbeitete im Einzelhandel. Nach wie vor pendelt Klingbeil zwischen seiner Heimat Munster und Berlin. In der Hauptstadt wohnt er gemeinsam mit seiner Frau in Charlottenburg, in unmittelbarer Nachbarschaft von Marius Müller-Westernhagen. Klingbeil ist mit Gerhard Schröder befreundet, der Altkanzler kam auch zu seiner Hochzeit.

Was für ihn als Parteichef spricht, ist, dass Klingbeil seine Genossen kennt, er managte den Wahlkampf und sorgte dafür, dass sich die Fraktion verjüngt. Außerdem war Klingbeil die erste Wahl von Fraktionschef Rolf Mützenich, als kürzlich Norbert Walter-Borjans seinen Rückzug von der Parteispitze ankündigte. Die Zukunft von dessen Co-Chefin Saskia Esken ist noch ungewiss. Für sie wird schon Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gehandelt. Sie und Klingbeil stehen für einen Generationenwechsel.

Klingbeil liebäugelte allerdings ebenso mit dem Verteidigungsministerium. Doch das könnte an die FDP gehen. Aber Klingbeil zeigt sich ja inzwischen offen für die Kandidatur zum Parteivorsitz, sagte er am Mittwoch.