Berlin - Nach der nächtlichen Entscheidung des CDU-Bundesvorstandes für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten der Union fragen sich viele politische Weggefährten und Konkurrenten, ob das nun wirklich eine Entscheidung ist. Es wäre zu wünschen, dass die Union die K-Frage geklärt habe, formuliert äußerst vorsichtig der SPD-Bundesvorsitzende Norbert Walter-Borjans am Dienstagmorgen. Allerdings hat er da so seine Zweifel. „Als einer, der nicht nur Markus Söders Verhalten der letzten Tage gesehen hat, sondern dessen Meinung über Armin Laschet aus jahrelangem eigenem Erleben kennt, bin ich allerdings nicht sehr optimistisch, was vom angekündigten Treueschwur des ‚Parteifreundes‘ aus Bayern zu halten ist“, sagte er.

So ganz falsch scheint er mit seiner Zurückhaltung nicht zu liegen. Zumindest, was die CSU-Seite angeht. Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) sieht in der CDU-Abstimmung für Parteichef Laschet als Kanzlerkandidaten ein Votum gegen die eigene CDU-Parteibasis. „Der CDU-Vorstand hat das jetzt so beschlossen“, sagte Füracker am Dienstag. Er wundere sich dennoch sehr, dass man die eindeutige Pro-Söder-Stimmung an der CDU-Basis völlig ignoriert habe. „Fünf Monate vor der Bundestagswahl einen Beschluss gegen die eigene Basis zu fassen, ist schon sehr bemerkenswert“, sagte der CSU-Politiker.

Füracker betonte, der CSU-Vorsitzende Markus Söder wäre bereit gewesen, mit der Kanzlerkandidatur die Verantwortung zu übernehmen. „Wenn dieses Angebot nun zurückgewiesen wird, liegt die Verantwortung bei der CDU.“ Ob die sechsstündige CDU-Sitzung, mit mitternächtlicher Abstimmung, dem Ziel gedient habe, die in der Kanzlerkandidaten-Frage so zerstrittene CDU zu einen, überlasse er der Einschätzung Laschets und der CDU, betonte Füracker. „Die Rückmeldungen, die ich bekommen habe, deuten nicht darauf hin, dass der CDU-Vorstand mit diesem Vorgehen einen Beitrag zu neuer Geschlossenheit geleistet hat.“

Dass es noch nicht vorbei ist, zeigt auch die Wortmeldung des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU). Er forderte eine endgültige Entscheidung von Markus Söder (CSU) in der K-Frage noch in dieser Woche. „Ich meine, es muss jedenfalls innerhalb der nächsten zwei, drei Tage eine endgültige Entscheidung fallen“, so Beckstein im Deutschlandfunk am Dienstag. „Es ist jetzt notwendig, dass dann, wenn die Entscheidung endgültig feststeht in den nächsten Tagen, dass sich dann alle geschlossen hinter den Kandidaten stellen, der mit hoher Wahrscheinlichkeit Laschet heißt.“ 

CSU-Chef Markus Söder hat für 13 Uhr eine Stellungnahme angekündigt. 

Politiker der CDU sehen nach dem Votum des Parteivorstands für Armin Laschet den CDU-Chef nun als Kanzlerkandidaten dagegen als hinreichend legitimiert. „Das ist nun wirklich ein klares Ergebnis, das, denke ich, auch von allen akzeptiert wird“, sagte der frühere Generalsekretär Ruprecht Polenz am Dienstag dem Bayerischen Rundfunk. „Die unterlegene Minderheit muss sich der Mehrheitsentscheidung anschließen“, forderte er weiter. Der CDU-Haushaltsexperte Eckhardt Rehberg sagte am Morgen darauf dem Sender NDR Info, jetzt müsse Söder zu seinem Wort stehen, Laschet zu unterstützen und ohne Groll gemeinsam Wahlkampf zu machen. „Wenn er das nicht täte, wäre das der zweite Wortbruch.“

Möglicherweise befasst sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion an diesem Dienstagnachmittag erneut mit der K-Frage. In der Debatte vor einer Woche hatten sich mehrheitlich Unterstützer von Markus Söder zu Wort gemeldet. Ob das den Mehrheitsverhältnissen entspricht, ist noch unklar. 

In einer digitalen Sondersitzung des CDU-Vorstands hatten in der Nacht zum Dienstag 31 von 46 stimmberechtigten Vorstandsmitgliedern in geheimer Wahl für den eigenen Parteivorsitzenden Laschet als Kanzlerkandidaten plädiert. Neun stimmten für Söder, sechs enthielten sich.