Jens Spahn und Armin Laschet (CDU).
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BerlinErst tat sich zwei Wochen lang gar nichts, dann konnte es manch einem nicht schnell genug gehen. Am Montagabend hatte die Bundespressekonferenz eine Einladung zum Pressetermin mit Friedrich Merz für Dienstag verschickt. Doch dann waren es Armin Laschet und Jens Spahn, die am Vormittag zuerst und sichtlich gut gelaunt die Treppe zum großen Saal erklommen. Sie hatten ihre Pressekonferenz kurzerhand direkt vor Merz’ Termin gesetzt.

Nun ist klar: Um den CDU-Vorsitz gibt es drei Bewerber, darunter einen mit der in den vergangenen Tagen in der Partei immer wieder beschworenen Teamlösung: Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, tritt mit Gesundheitsminister Jens Spahn gemeinsam an, wobei Spahn Stellvertreter von Laschet sein soll. Letzterer durfte dafür am Dienstag zuerst sprechen. Und er wählte große Worte.

Spahn will Laschet unterstützen

Die CDU sei in der größten Krise ihrer Geschichte, so Spahn. Er habe lange überlegt, ob er antreten solle. Doch in der jetzigen Situation brauche die Partei vor allem Zusammenhalt. „Es kann nur einen Parteichef geben“, sagt der 39 Jahre alte Gesundheitsminister. Er habe sich daher entschlossen, Laschets Kandidatur zu unterstützen und als Stellvertreter zu kandidieren. Laschet sei eine integrative Persönlichkeit.

Genau das versucht Laschet dann unter Beweis zu stellen. Deutschland stehe wirtschaftlich sehr gut da. „Aber es gibt so viel Unzufriedenheit, Aggression, Wut und Hass in der Welt“, sagt er und nennt den „Abbau von Ängsten“ als eine seiner größten Aufgaben. Die CDU sei die Partei, die gegen das gesellschaftliche Auseinanderdriften wirke. „Wir stehen jetzt vor der Aufgabe, den Zusammenhalt zu stärken“, ruft er in den Saal. Laschet will die Generationen miteinander versöhnen, die Menschen zwischen Stadt und Land, Ökonomie und Ökologie.

Deutschland müsse ein Industrieland bleiben, auch nach dem Ausstieg aus der Kohle. Sicherheitspolitisch will er null Toleranz gegenüber Kriminellen, aber dennoch weltoffen bleiben. Aufstieg durch Bildung soll wieder möglich werden. Auf europäischer Ebene sollen Deutschland und Frankreich die Führung übernehmen, die kleineren Ländern dabei aber „mitnehmen“.

Dann schwärmt er noch ein bisschen von dem breit aufgestellten Landeskabinett in Nordrhein-Westfalen, dem er vorsteht: „Das ist Volkspartei und das brauchen wir auch auf Bundesebene.“ Wichtig sei, die Partei und das Land zusammenzuführen, sagt er: „Ich bedauere, dass nicht alle Kandidaten sich diesem Teamgedanken anschließen konnten“. Das zielt auf die Mitbewerber Friedrich Merz und Norbert Röttgen.

Letzterer hatte bereits vor einer Woche seine Kandidatur angekündigt. Damit seine Kontrahenten nicht alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, kündigt er noch während der Pressekonferenz von Laschet und Spahn in einem Tweet an: „Die zweite Person in meinem Team wird eine Frau sein.“

Damit können der NRW-Ministerpräsident und der Gesundheitsminister nicht aufwarten. Der 59-jährige Laschet gerät bei der Frauenfrage ein bisschen aus dem Tritt. Es sei nun mal keine Frau da gewesen, die gesagt habe, sie wolle es machen, sagt er.

Dann kommt Friedrich Merz.

Merz: „Ein Team muss geführt werden.“

Falls ihn der Coup der Konkurrenten ärgert, die ihre Ankündigung vor seine platziert haben, lässt er es sich nicht anmerken. Er erklärt, dass er für den Parteivorsitz kandidieren wolle, erneut, wie er sagt. Es klingt fast wie ein Seufzer. Die Sache mit der Teamlösung klärt er kurz und bündig. Er habe immer in Teams gearbeitet und das sehr gerne: „Aber ein Team muss geführt werden.“ Klare Sache, wen er damit meint.

Auch sonst grenzt er sich deutlich von Laschet und Spahn ab. Seine Formulierungen machen klar, dass er keine neuen Freunde sucht. Er spiele „auf Sieg und nicht auf Platz“, betont er gleich mehrmals. Die Partei müsse am 25. April zwischen zwei unterschiedlichen Richtungen entscheiden, erklärt er: „Kontinuität oder Aufbruch.“ Er steht natürlich für den Aufbruch. Dabei will er Wähler von den Grünen und von der AfD zurückgewinnen.

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Merz, mit seinen 64 Jahren der älteste unter den Bewerbern, nennt dafür als erstes die Notwendigkeit eines neuen Generationenvertrages. Die Einführung der Grundrente zeige die Defizite bei der Altersversorgung. Die dürfe nicht allein zu Lasten der Jungen gehen. Generell sei Deutschland nicht fit fürs 21. Jahrhundert. Man sei nicht gut vorbereitet auf die Digitalisierung, die Energiepolitik sei nicht zukunftsfähig.

Auch Merz geht es um Rechtsstaat und Sicherheit. Der Rechtsextremismus sei in den vergangenen Jahren massiv unterschätzt worden. Die illegale Einwanderung wiederum untergrabe die territoriale Integrität Deutschlands. Das geht in Richtung AfD-Wähler. Gleichzeitig will er aber auch „mehr Europa wagen“. Die Regierungszeit von Angela Merkel waren „gute Jahre“, so Merz: „Aber es ist ein Abschnitt, der endet.“