Köln/Seoul - Millionen vor den Bildschirmen, Tausende in den Stadien: Was in den USA der Super Bowl ist, ist in Asien die Weltmeisterschaft im Spiele-Klassiker League of Legends (LoL). Ab Mittwoch stehen die Zocker-Daumen von Millionen LoL-Spielern still.

Die gesamte eSport-Welt blickt gebannt nach Südkorea, zur Weltelite in einem der beliebtesten Videospiele überhaupt. Wenn Mannschaften aus aller Welt die Vorherrschaft der südkoreanischen Gastgeberteams beenden wollen, kommt den Organisationen aus Europa höchstens eine Nebenrolle zu.

Europäische Teams als Außenseiter

„In Asien ist eSport Volkssport und dementsprechend wird das ganze Thema mit einer anderen Intensität und Philosophie betrieben“, sagte Sport1-LoL-Experte Luka Ziegler dem SID: „Die europäischen Teams sind die Underdogs, und ein Einzug ins Viertel- oder Halbfinale wäre schon ein riesiger Erfolg für die europäische League-of-Legends-Szene.“

Speziell in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul kommt man an eSport nicht vorbei. Überall auf den Straßen des eSport-Mekkas leuchten einem die Buchstaben „PC“ entgegen. In jedem dieser sogenannten „PC Bangs“ zocken ein paar Hundert Koreaner, bis die Daumen bluten. Neben diesen Spielhallen für Gaming-Verrückte gibt es alleine in Seoul mehrere eSport-Arenen. Dazu sendet OGN, der größte eSport-TV-Sender der Welt.

In Europa lässt sich diese Begeisterung für den virtuellen Sport in diesem Ausmaß schwer nachempfinden. Lediglich bei den ersten „LoL“-Welttitelkämpfen 2011 konnte die britische Organisation Fnatic, immerhin eines der größten eSport-Teams der Welt, den Pokal auf den Alten Kontinent holen. Danach begann die Dominanz der Asiaten. Damals gab es noch ein Preisgeld von mittlerweile lächerlich erscheinenden 100.000 Dollar. In diesem Jahr werden wohl wieder rund fünf Millionen Dollar ausgeschüttet.

Über 100 Millionen Zuschauer

Der Summoners Cup ging dabei in den letzten fünf Jahren immer an Teams aus Südkorea. Im vergangenen Jahr holte sich Samsung Galaxy, das mittlerweile Gen.G heißt, im Finale vor 40.000 Zuschauern im „Vogelnest“ in Peking gegen die Landsleute von „SK Telecom T1“ den Titel. Rund 80 Millionen Zuschauer verfolgten das Spektakel damals per Stream.

Die Halbfinalpartie zwischen SKT und dem chinesichen Team „Royal Never Give Up“ sahen gar 106 Millionen Zuschauer - und das Interesse steigt jährlich. Der Großteil der Zuschauer kommt dabei aus China. „LoL“ ist seit seinem Start 2009 der Dauerbrenner in einer sonst schnelllebigen Branche.

Zur diesjährigen WM haben es in Fnatic, dem französischen Team Vitality und der spanischen Organisation G2 Esports, das sich in Seoul erfolgreich durch die Qualifikation arbeitete, drei Teams aus Europa geschafft. Ein deutscher „LoL“-Profispieler ist unter den besten 16 Teams, die ab Mittwoch in Busan zunächst in einer Gruppenphase gegeneinander antreten, nicht dabei - und trotzdem gibt es ein deutsches Element.

Fabian „GrabbZ“ Lohmann trainiert G2 Esports. Das Team sicherte sich erst am Sonntag mit einem Sieg gegen Infinity ESports aus Costa Rica seinen Platz in einer der vier Vierergruppen. Die beiden besten Teams jeder Gruppe qualifizieren sich für das Viertelfinale. Im September hatte Lohmanns Mannschaft im entscheidenden innereuropäischen Duell gegen Schalke 04 den Sprung nach Südkorea geschafft. (sid)