Berlin - Neuer Ärger mit Björn Höcke: Nach Bekanntwerden einer rassistischen Rede und seinem Glückwunsch für die Wahlerfolge des rechtsextremen Front National in Frankreich rügt die Bundesspitze der Alternative für Deutschland ihren Thüringer Landeschef. Zudem wird Höcke laut Medienberichten zur nächsten Sitzung des Vorstands vorgeladen, beschloss der in einer Telefonkonferenz. Ob weitere Schritte geplant sind, blieb offen.

Höckes Äußerungen über angeblich verschiedene menschliche Fortpflanzungstypen in Afrika und Europa seien „eine inhaltliche wie politische Torheit“, erklärte der Co-Vorsitzende der AfD, Jörg Meuthen, am Montag in Berlin. „Seine Ausführungen sind sachlich unsinnig, entbehren wissenschaftlicher Substanz und laden zu Fehldeutungen als rassistische Aussagen geradezu ein.“

„Falsch und unangemessen“

Zudem sei es „falsch und unangemessen“, dem Front National zu dessen Wahlerfolgen zu gratulieren. „Die Alternative für Deutschland unterhält weder im Europäischen Parlament noch an anderer Stelle Beziehungen zum FN“, so Meuthen.
Höcke solle „in sich gehen und sich in seinen öffentlichen Auftritten künftig deutlich mäßigen“, forderte der Bundeschef, der die Partei gleichberechtigt mit der sächsischen Landeschefin Frauke Petry führt. „Es schadet dem Ansehen unserer Partei, mit solchen Aussagen in Verbindung gebracht zu werden“ und „gefährdet die nach dem Essener Parteitag im Juli zurückgewonnene Einheit der Partei“. Beides könne nicht im Interesse eines Parteimitglieds liegen und könne nicht immer weiter hingenommen werden, erklärte der AfD-Chef.

Die Rüge lässt sich auch als Erinnerung daran lesen, dass bereits unter Parteichef Bernd Lucke ein Parteiausschlussverfahren gegen Björn Höcke lief. Anlass war damals seine Äußerung, nicht jedes NPD-Mitglied sei extremistisch sowie der Verdacht, unter Pseudonym für neonazistische Zeitschriften geschrieben zu haben. Nach Luckes Parteiaustritt im Juli wurde das Verfahren eingestellt. Doch auch die neue AfD-Spitze hat Höcke bereits gemahnt, weil sie seine Äußerungen und Auftreten als zu rechts empfand. Höcke hatte daraufhin mehr Zurückhaltung versprochen.

Versuch des Bedauerns auf Facebook

Nach der jüngsten Kritik äußerte sich Höcke, der früher Geschichtslehrer in Hessen war, nun auf Facebook: Es bedaure, wenn seine Aussagen „zu Fehldeutungen geführt“ hätten. Als Politiker müsse man aber auch „die großen Entwicklungen im Blick behalten“ und dürfe sie nicht „aus Sorge vor Missverständnissen oder Fehlinterpretationen verschweigen“.

Anlass des Streits ist eine Rede, die Höcke am 21. November auf einem Kongress des neu-rechten „Instituts für Staatspolitik“ hielt. Mit Thesen, die er „populationsökologisch“ nannte, wandte er sich gegen den Zuzug von Flüchtlingen: Die Menschen in Afrika hätten sich demnach evolutionsbedingt zu einem „lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp“ entwickelt, die in der Reproduktion nach der „r-Strategie“ verfahren – wie in der Biologie etwa Blattläuse oder Mäuse.

Biologischer Rassismus

Europäer hingegen entsprächen dem „Platzhaltertyp“, der sich nach der „K-Strategie“ vermehrt und intensiv um wenige Kinder kümmert, wie etwa Löwen oder Menschen. Höckes Fazit: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

Mehrere Extremismusexperten hatten Höcke „biologischen Rassismus“ bescheinigt, wie der Berliner Politologe Hajo Funke: „Das ist unterste Schublade eines Rassismus, wie wir es aus dem Nationalsozialismus kennen.“

Höckes Thesen stünden „in einer Linie mit der Rassentheorie des Nationalsozialismus“, sagte Robert Lüdecke von der Amadeu-Antonio-Stiftung. Man prüfe, ob die Äußerungen strafbar seien.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) reagierte mit Spott: „Frau Petry und Herr Höcke sind mit 4 Kindern ganz klar der Verbreitungstyp ,klein r’“, twitterte er.