In den meisten Teilen der Welt gelten Puppen als reines Kinderspielzeug. In Thailand aber sind sie derzeit unter Erwachsenen der letzte Schrei. Immer mehr Thailänderinnen behandeln ihre sogenannten Kinderengel – Luk Thep – wie echte Menschen und nehmen sie überallhin mit. Auch ins Flugzeug, wo es deswegen in der Vergangenheit öfter Ärger gab, da die Besitzer sie auf eigene Plätze setzen wollten.

Thai Smile, der nahezu bankrotte Billigableger der staatlichen Fluglinie Thai Airways, verkündete deshalb in dieser Woche, dass nun auch für Kinderengel-Puppen Tickets gekauft werden können. Was die Luftfahrtbehörde des Landes zu einer Klarstellung veranlasste: Die Puppen seien keine Menschen und müssten daher vor Start und Landung der Flugzeuge ordentlich verstaut werden, erklärte die Behörde am Mittwoch.

Dennoch: Thai Smile dementiert die Einführung von Extra-Flugtickets für Puppen nicht. Und die Airline steht mit diesen Ideen nicht allein da. Längst hat sich die thailändische Gesellschaft auf die Luk Thep eingestellt. So bieten Restaurants spezielle Sitzplätze oder eigene Büfetts für die Puppen an. Und buddhistische Mönche segnen sie bei Zeremonien, als wenn nichts dabei wäre.

Selbst der Staat muss den Trend um die lebensechten Puppen ernst nehmen. Zumindest im Bereich der Strafverfolgung. Die Polizei in Chiang Mai etwa warnte vor der Gefahr, die Kinderengel aus Plastik könnten zum Drogenschmuggel genutzt werden. Die Fahnder präsentierten sogar eine Plastikblondine voll verbotenem Stoff, die auf einem Parkplatz entdeckt wurde. Ein Reporter steckte der Puppe prompt ein Mikrofon ins Gesicht – in der vergeblichen Hoffnung, der Übeltäterin ein Geständnis zu entlocken.

Der Trend begann, als mehrere Promis in der Öffentlichkeit regelmäßig mit den lebensechten Puppen erschienen. Seitdem ahmen es ihnen mehr und mehr Landsleute nach. „Sie sind süß und leben wirklich“, behauptet Mama Ning, die es mit der Herstellung der Kinderengel zu einem gewissen Wohlstand gebracht hat. „Ich gebe ihnen eine Seele“, sagt sie. „Die Besitzer können sie großziehen wie ihre eigenen Kinder.“

Viele Thailänder, die der Welt des Aberglaubens anhaften, würden ihr wohl zustimmen. Schließlich gestand auch General Prayut Chan-o-cha, seit 2014 Diktator des Königreichs, seinen Glauben an Schwarze Magie. In der Welt magischer Puppen müsste der General eher auf die „Kuman Thong“, also Geisterkinder setzen, die aus Knochen und Leichenteilen verstorbener Babys zusammengesetzt werden. Diese sind aber eher auf dem Land zu finden, wohingegen die Stadtbevölkerung auf die weiße Magie der Luk Thep setzt.